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Schwul im Clan
Schwul in der Bourgoisie

Brahim (Soufiane Chilah) ist 30, schwul, lebt in der Stadt. Zum Geburtstag seiner Mutter versammelt sich die Großfamilie im Haus seiner Eltern, einem großzügigen Mehrfamilienhaus im Vorort. Es ist eine Familie mit Ursprung im Maghreb, hier integriert, zumindest vom Französisch her, was sie alle perfekt sprechen.

Vater hat einen Treuebruch begangen, indem er nach Belgien ausgewandert ist, weil er seine Frau, eine Belgierin, auf den ersten Blick liebte und ihr folgen musste; das wird er in seiner Geburtstagsrede erwähnen.

Schnell wird klar, dass Brahim nicht comme il faut ist, aber auch, dass es ein Ding der absoluten Unmöglichkeit ist, seinen Freund hier vorzustellen. Trotzdem versucht er es. Doch dieser taucht gar nicht erst auf, versetzt ihn, obwohl sie schon mehrere Jahre zusammen sind.

Ein Familienmitglied hat die beiden gesehen. Das wird zum Tuschelthema, dass Brahim auf gar keinen Fall seinen Freund hier vorstellen dürfe. Es gibt eine harte Auseiandersetzung mit dem Verwandten Mehdi (Salim Talbi).

Nabil Ben Yadir, der mit Antoine Cuypers auch das Drehbuch „nach einer wahren Begebenheit“ geschrieben hat, arbeitet in der dokuhaften Art der Gebrüder Luc und Jean-Pierre Dardenne. Er bleibt atemnlos nah dran an seinem Protagonisten, heftet sich ihm an die Fersen, begleitet ihn durch das Gewühl des Familienfestes, beobachtet jede seiner Regungen, seine Angespanntheit angesichts seines Vorhabens, den Freund vorzustellen, in die Familie einzuführen.

Da der Freund ihn am Handy wegdrückt und auch nicht auftaucht, verlässt Brahim das Familienfest, macht sich auf die Suche, stürzt sich ins Nachtleben, fragt in einem Homolokal nach, ob jemand den Freund gesehen habe.

Der Film nimmt jetzt eine brutale Wende zu einem Kino, das nicht unbedingt im Sinne Godards ist. Brahim gerät in die Fänge einer Gruppe junger, angetrunkener Männer, die sich an ihm austoben in ihrer Homophobie. Das ist eher schwer erträglich.

Im letzten Drittel macht der Film einen unerwarteten Schwenk, lässt den Protagonisten liegen und interessiert sich für den Milchbub unter den Brutalos, es ist der nächste Morgen. Luic (Gianni Guettaf) ist jetzt der Protagonist. Der Film verfolgt ihn wie vorher Brahim, wie er nach Hause kommt, eher kaputte Verhältnisse, seine Mutter ist mit einem Brutalotypen zusammen. Luic will die Blutspuren aus seinen Klamotten entfernen, zieht einen feinen Anzug an und soll bei der Hochzeit seiner Vaters mithelfen.

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