Lebenslinien: Monika Baumgartner – Die Rollen meines Lebens (BR, Montag, 6. Juni 2022, 22.00 Uhr)

Coole Geschäftsfrau mit Widerspruch

Das macht die Schauspielerin Monika Baumgartner fürs Fernsehen so nützlich, dass sie unprätentiös, ohne jegliches Medeagehabe, ohne jegliches Geleide an der Kunst, ohne ihr Herz auf der Zunge zu tragen, verlässlich und glaubwürdig ist. Die Eigenschaft dürfte vom Publikum als Darstellerin in der Serie Bergdoktor goutiert werden.

Eine seriöse Geschäftsfrau.
Aber Geschäftsfrau. Sie nutzt diese Lebenslinien von Reiner Holzemer, um ausgiebig in der Firma zu drehen, die ihr und ihrer Schwester gehört. Wann bekommt ein TV-Star schon so viel Gratis-Sendezeit für PR für die eigene Firma.

Geschäftsfrau auch mit der Firma mit ihrer ersten großen Liebe, einem Bühnenbildner.

Geschäftsfrau auch im Hinblick aufs Kinderkriegen: sie kann das nicht mit ihrem Beruf vereinbaren; deshalb zerbricht die Liaison.

Coole Geschäftsfrau auch, indem sie Teamwork von zuhause aus gelernt hat; eine nicht zu unterschätzende Eigenschaft im Theater- und Fernsehgeschäft.

Coole Geschäftsfrau auch, indem sie von ihrem jetzigen Lebenspartner (für dessen Buch über Gröbenzell auch Werbung sein darf) als ‚geländegängig‘ apostrophiert wird.

Coole Geschäftsfru auch, indem sie offenbar minutiös das Medienecho in Kartons sammelt – mit einem bis heute nicht verwelkten tz-Rosenstrauß von anno dunnemals; wobei Franz Xaver Kroetz von Reiner Holzemer und der zuständigen Redaktuerin Christiane von Hahn noch eins abkriegt als „damaliger Erfolgsautor“ – wie kleinkariert.

Es sind dies dröge Eigen-PR-Lebenslinien des BR, noch dröger gemacht durch die dauernd unterlegte Dumpf-Dümpel-Musik, unterbrochen ab und an mit Applaus; der schlimmste Schicksalsschlag war ein unentdeckter Leistenbruch, den sie 15 Jahre lang, bis zur treffenden Diagnose, mit Schmerzmitteln betäubt hat.

Coole Geschäftsfrau: eine kontinuierliche Karriere bis ins 8. Lebensjahrzehnt hinein und auch jetzt noch gefragt; gerade Frauen haben nach ihren eigenen Aussagen ein besonderes Rollenproblem mit steigendem Alter.

Vielleicht könnte man sie an ihrem eigenen Motto packen: Mir geht’s gut, wenn es den anderen um mich herum auch gut geht. Denn ihr geht es unter anderem deshalb – finanziell – gut, weil sie vom enormen Gebührenhaufen des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes bezahlt wird (Tagesgage 5000 Euro, 10’000 Euro?). Dieser kommt aber sozial unfair zustande zulasten einkommensschwacher Haushalte, die sich das Geld vom bescheidenen Budget – noch stärker jetzt in Zeiten der Inflation! – hart absparen müssen – so besehen kann es Monika Baumgartner nicht gut gehen. Ihr geht es gut, weil es anderen schlecht geht.

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