Maixabel – Eine Geschichte von Liebe, Zorn und Hoffnung

Amazar

heißt auf Spanisch töten; Du sollst nicht töten, heißt es in der Bibel. Spanien ist christlich. Aber die ETA im Baskenland will das Baskenland von Spanien loslösen und greift dabei auf terroristische Mittel, ermordet über die Jahre weit über 800 Menschen.

Nach solchen Blutbädern ist es schwer, in einer Gesellschaft wieder zu einem friedlichen Konsens zu finden. Dieser Gratwanderung stellt sich Iciar Bollain, die mit Isa Campo auch das Drehbuch geschrieben hat, teils nach wahren Geschichten, teils mit Fiktionen, welche welche sind, bleibt offen.

Der Film ist aber so schon atemberaubend spannend. Er fängt im Jahr 2000 in Tolosa im grünen, hügeligen Baskenland an. In einem gut gefüllten Café mitten in der City und am hellichten Tage treten zwei Männer ein, gehen gezielt auf ein Tischchen zu und erschießen einen Mann. Eiligen Schrittes verlassen sie den Tatort, springen in ein wartendes Auto draußen und fliehen.

Ein Stück weit verfolgt der Film noch die beiden Handlungsfäden, die Vorgänge am Tatort, die Information der Angehörigen, die Notversorgung des Opfers. Gleichzeitig begleitet er die fliehenden Täter ein Stück, teils direkt hinter einem Polizeiauto her, sie hören den Polizeifunk ab und wissen, dass die Polizei in diesem Moment noch nach einem falschen Auto fahndet. Zu sehen sein wird noch, wie die Täter in den Bergen ihr Tatfahrzeug in die Luft sprengen und bergauf das Weite suchen.

2004 werden die Täter von einem Gericht zu langen Haftstrafen verurteilt.

Jetzt macht der Film einen Sprung ins Jahr 2010. Bis dahin ist dem Zuschauer die Titelfigur Maixabel längst vertraut. Sie ist die Frau des Ermordeten. Sie steht unter ständigem Polizeischutz, besonders seit sie sich bereit erklärt hat, mit einer Versöhnungsinitiative zu kooperieren, die Täter mit Opfern konfrontieren will als Teil der Aufarbeitung der grauenhaften Taten, die das Klima im Lande vergiften.

In enger Beziehung zu Maixabel steht ihre Tochter Maria (Maria Cerezuela), die selber inzwischen ein Kind hat, und die genauso zur Opferseite gehört wie ihre Mutter.

Auf der Täterseite betrachtet der Film näher Ibon (Luis Tosar) und Luis (Urko Olazabal). Die beiden waren die Täter im Cafe. Welcher geschossen hat, wird erst mal nicht verraten. Sie treffen sich wieder in einer Haftanstalt näher zu ihren Familien, sie arbeiten dort in der Bäckerei, bekommen Hafturlaub.

Meisterlich begibt sich Iciar Bollain auf das Glatteis der Versöhnung, denn der Hass ist auf keiner der Seiten gänzlich erloschen, er könnte jederzeit wieder aufflammen.

Bis zu dem historischen Datum im Oktober 2011, in der die Eta das Ende des bewaffneten Kampfes verkündet. Der Film ist auch das, was man ein filmisches Meisterwerk nennen kann, weil er ein essentielles und hochakutes Menschheitsproblem in seiner ganzen Schwierigkeit und Differenziertheit spannend mit einem exzellenten Cast und noch dazu in schöner Landschaft erzählt.

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