Als Frauen in Afghanistan noch fotogafieren durften.
Pointiert dramatisch expressiv zugespitzt reinszeniert oder erfindet Roman Kuhn, der mit Sonya Winterberg (auch Dok-Regie) auch das Drehbuch geschrieben hat, Szenen aus dem Leben der Kriegsfotografin Anja Niedringhaus (Antje Traue) angereichert mit historischem Footage und Talking Heads aus der Kriegsfotografen-Welt.
Die Dialoge drehen sich immer wieder um die ethische Fundierung des Kriegsfotografen-Jobs, dass sie eben nicht das Bang-Bang-Foto interessiert; dass ihre Motivation die Veränderung der Welt ist, dass sie den Krieg beenden möchte, indem sie auf dessen Folgen hinweist.
Auch die Frage des Zuschauens einerseits und des Helfens andererseits wird am Beispiel eines Findelkindes bis an den Rand der Süß-Geschichte verhandelt. Ebenso der Gegensatz des Privatlebens von Anja Niedringhaus bei der Familie ihrer Schwester in Kaufungen und ihres gefährlichen Berufslebens in Sarajewo, Bagdad, Kabul und wo auch immer die Brandherde der Weltpolitik bebildert werden wollen.
Das Thema des ‚embedded Journalisten‘ in der USA-Army kommt vor. Auch Zweifel schleichen sich ein, Müdigkeit, trotz Pullitzer-Preis, immer wieder Krieg und Krieg. Es verändert sich nichts.
Es kommt bei einem Foptoshooting in Afghanistan der Satz vor: mein Gesicht ist meine Identität. Hochaktuell: grad wird den Frauen in Afghanistan vom Emirat dieses Recht auf Identität – zumindest in der Öffentlichkeit – abgesprochen. Aber niemand will die Bilder drucken. Da scheint der ganze Einsatz, oft unter lebensgefährlichen Bedingungen, ganz umsonst zu sein, wenn man die heutige Entwicklung in Afghanistan betrachtet.
Und just beim Fotografiren in Afghanistan ist Anja Niedringhaus den Folgen eines Anschlages erlegen. Ihrem Andenken dient dieser Film und umso wichtiger ist es, dass andere Journalisten und Fotojournalisten diese Arbeit fortführen.
Ohne Bilder gibt es keine Demokratie, so der Schlussatz. Die poetische Formulieriung des Glücks eines Fotoreporters: den einen Tropfen im Ozean zu finden. Auch der Satz zeigt eindrücklich, dass sie kein Adrenalin-Junkie war, sondern dass es ihr darum ging, der Welt von den Dingen zu berichten, die sie anders nicht erfahren würde. Die Kamera selber ist dabei quasi ein Schutz zwischen ihrem Beruf und dem Helferinstinkt.