Stasikomödie

Wahnsinnig liebenswürdig

Fast sieht es so aus, als wolle Leander Haußmann mit diesem Film seinen Großeltern (oder anderen lieben Verwandten vor ihm in der Ahnenreihe) beweisen, dass er ein anständiger und vorzeigbarer Nachfahre geworden ist; als wolle er ins Schnurrenfach wechseln.

Haußmann glänzt tatsächlich mit einem Top-Ensemble, das bei ihm in besten Händen ist. Indem er das Werk eine Komödie nennt, gibt er auch zu verstehen, dass die DDR-Zeiten ferne Zeiten sind, die von der Leinwand herab nicht dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen müssen. Und dass es da nicht nur Jugendkultur gegeben hat, sondern auch einen jungen Regisseur namens Leander Haußmann, der mit einer aufsehenerregenden Schiller-Inszenierung auf sich aufmerksam gemacht hat; es gibt Schnipsel davon am Fernsehen zu sehen – worin auch sein berühmter Vater auftritt.

In der DDR gab es Zellen westlicher Jugendkultur, Künstler, Autoren, Schauspieler, denen Drogen so wenig fremd waren wie die Kultur der Beat-Generation.

Haußmann nimmt für sich in Anspruch, dass ein Stasi-Boss sich durch jene Schiller-Inszenierung hat für eine Geburtstagsfeier in klassischen Kostümen wie bei Hofe inspirieren lassen inklusive Auftritt des ‚kleinen Trompeters*. In diesen grotesken Szene schwelgt der Regisseur förmlich.

Nicht weniger grotesk ist der Plot, der in eine Rahmenhandlung in unserer Zeit eingebettet ist.

Ludger Fuchs (David Kross) ist heute ein bekannter Autor, der seine Anfänge in der DDR gehabt hat. Diese Anfänge beschreibt der Film. Es ist eine Verwicklung von Stasi-Tölpelei, literarischem Talent und Zwangsverpflichtung eines jungen Mannes zur Stasi.

Ludger soll mit drei weiteren Stasi-Dumpfbacken das Milieu der westlich orientierten Intellektuellen (Jack Kerouac ist gerade zu Gast) auskundschaften. Er tappt mit seinen drei Kollegen dabei nicht nur in jedes erdenkliche Fettnäpfchen, nein, Ludger tappt auch in die Liebesfalle, und, noch schräger, er entdeckt sein literarisches Talent.

Es ist also ein tauglicher Komödienplot, der den Menschen dort abholt, wo er in Widersprüche gerät, wo seine Erwartungen konterkariert werden (wenn Ludger bei der Stasi in den Keller zitiert wird). Bewährter Komödiantenslapstick wird reingepackt, wozu die Stasi reichlich Nährboden bietet.

Es ist bestimmt einer der gelungeneren Haußmannfilme, der eine durch und durch heimelig-familiäre Atmosphäre verströmt und durchdrungen ist weniger von DDR- als mehr von Jugendnostalgie. Und dass er ein Filmfan ist belegt Haußmann mit Verweisen auf „Jules und Jim“ oder auf Tarantino.

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