One of These Days

Dran bleiben!

Leben auf Parkplätzen. Im Gegensatz zu seinem Film Houston verzichtet der Filmemacher Bastian Günther diesmal auf Vergeheimnisserei und Kamera-Spiegel-Spiele. Die einzigen Tricks, die er sich in dieser Hinsicht – und sparsam – erlaubt, sind einige Reiß-und Stopschwenks, um den Genius Loci seines Filmes einzufangen: Streusiedlungen in Texas, Straßen und Parkplätze dominieren.

Wieder interessiert Bastian Günther etwas aus dem Geschäftsleben. In Houston war er fasziniert vom Thema des Headhunters. Jetzt wendet er sich der weitausladenden amerikanischen Provinz und dem Autohandel zu.

Der Film beruhe auf einer wahren Geschichte. Das Autohouse Bourdeaux’s Auto & Truck veranstaltet jährlich einen Wettbewerb, bei dem es einen fetten Truck zu gewinnen gibt. Ein Wettbewerb vor seinem Showroom auf dem weiten Parkplatz. Hier steht der zu gewinnende Truck. Die ausgelosten etwa 20 Teilnehmer und Teilnehmerinnen kämpfen um den Gewinn des Trucks. Die Wettbewerbsaufgabe besteht darin, so lange wie möglich an diesem Auto zu stehen und dabei immer mindestens eine Hand draufzuhalten. Man darf auch nicht auf die Knie gehen oder sich anlehnen. Es gibt regelmäßige Pinkelpausen und alle paar Stunden eine etwas längere Pause zum Essen. Es ist ein Werbeevent, der momentweise zum Volksfest sich auswächst, das Fernsehen berichtet darüber, ein Event, das vor allem ein Riesenspaß sein soll.

So wie die Teilnehmer am Auto bleiben, so bleibt Bastian Günther am Event. Die Hauptfigur ist Kyle (Joe Cole). Er ist jung verheiratet mit Maria (Callie Hernandez), sie haben den kleinen Sohn James. Kyle jobbt da und dort, in einem Drive-In-Restaurant. Er kennt die Moderatorin Joan (Carrie Preston), die den Wettbewerb vermarktet.

Kyle wird für die Wettbewerbsteilnahme ausgelost. Er möchte unbedingt den Truck gewinnen, ja er muss, denn die Lage zu Hause ist prekär.

In quasi-dokumentarischer Art verfolgt der Film nun den Wettbewerb, die Ratschläge an die Teilnehmer, die werbeträchtigen, gelben T-Shirts mit dem Handabdruck, das ganze Feld der prima gecasteten Teilnehmer, die einen kommen mehr zur Geltung, andere bleiben peripher; es gibt wunderliche Eigenschaften. Eine liest zeitweilig die Bibel, ein anderer hat sich sogar raffiniert gegen den Harndrang abgesichert.

Das Kunststück im Film ist es, das Verrinnen der Zeit zu schildern, nicht nur durch den Ablauf von Tag und Nacht – es wird mit einer Wettbewerbsdauer von um die 40 Stunden gerechnet – sondern auch die wachsende Ermüdung der Teilnehmer bis zum Ausscheiden der ersten Kandidaten, das gelingt dem Filmemacher hervorragend.

Es kommt zu Phasen der Ruhe, des Schweigens, der heiteren Gespräche, ja der Lachorgie, es bricht Hysterie aus, es geht bei manchen an die Grenze der Halluzinationen. Mal sind mehr Zuschauer da, mal weniger, immer die Jury. Auch bei Joan gibt es Einblicke in ihr nicht rundes Privatleben; aber sie ist Profi, immer freundlich.

Der Wettbewerb endet allerdings vorzeitig dramatisch; und der Film wendet sich dann nochmal dem Einzelschicksal von Kyle zu.

Es ist ein kommentarloser Bericht aus der Geschäftigkeit und auch denTräumen, der amerikanischen Provinz. In Texas spricht man verächtlich über Florida, besonders über Tallahassee. Ein besonderes deutsches Kinostück aus Amerika.

Einer dieser Tage oder: so ist das Leben.

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