Fuchs im Bau

Schuld

Der Film von Arman T. Riahi, inspiriert von den Erfahrungen des Gefängnislehrers Wolfgang Riebniger behandelt ein großes gesellschaftliches Thema, nicht nur Schuld, sondern auch Bestrafung; wie der Staat mit der Schuld von Menschen umgeht, das Thema des Wegsperrens von Menschen, in Sonderheit von Jugendlichen.

Im Hintergrund, ohne jetzt zu viel zu spoilern, spielt auch Schuld eine Rolle, die ein Mensch fühlt, ohne dass er sich strafbar gemacht hat, sozusagen nicht justizable Schuld, die einen Menschen noch viel mehr umtreiben kann.

Dass den Lehrer Hannes Fuchs (Aleksandar Petrovic) etwas umtreibt, wird in jeder Sekunde seines Auftrittes klar, dass er eine tiefere Motivation hat, als Gefängnislehrer arbeiten zu wollen, dass er einen Grund hat, in seiner Band, in der er als Drummer arbeitet, seit zwei Jahren nicht mehr mitzuspielen.

Und es ist ihm in jeder Sekunde anzusehen, dass er mit der Arbeit im Gefängnis eine Schuld abarbeiten möchte. Aber so einfach ist das nicht. Es ist bemerkenswert, dass in dem Jugendknast eine Kunstklasse existiert. Sie wird geführt von Elisabeth Berger (Maria Hofstätter). Auch sie muss eine besondere Motivation haben, mit den jugendlichen Straftätern arbeiten zu wollen.

Der Ton ist rau, die Sprache direkt und nicht immer salonfähig. Es ist eine super ausgewählte Gruppe von Jugendlichen, die mit ihrer Jugendlichkeit, mit ihrer Wut, ihrem Zwiespalt als Außenseiter und Gefangene und dem Jugendpower, andererseits der zu erwartenden Aussichtslosigkeit nach der Entlassung aus dem Gefängnis ein enormes Kraftzentrum bilden.

Um dieses herum fällt auch auf, wie hervorragend der Cast der erwachsenen Schauspieler, die sich dem aussetzen müssen, ausgewählt ist. Zu diesem gehört Sibil Kekilli, die die staatliche Seite vertritt, Anica Dobra als Leyla; es sind die Darsteller der Gefängnischargen, die ihre eigenen Machtspiele von Law und Order spielen möchten und höchst misstrauisch der Kunstklasse gegenüber sind.

Fuchs wird sich speziell um ein muslimisches Mädchen kümmern, um Samira (Luna Jordan). Die hat ihren Vater ins Koma geprügelt. Dass das nicht ohne Grund geschehen ist, dürfte klar sein; es ist wohl nicht abwegig von einem vorausgegangenen innerfamiliären Übergriff auszugehen.

Den sensiblen Zugang, den Fuchs zu Samira sucht, erträgt sie schlecht; an ihr wird das Thema Suizid-Versuch virulent; ein Thema, was offenbar Fuchs speziell persönlich angeht und schmerzt und dass auch hier sein Einsatz schief zu gehen droht.

Subtil beoachtet ist auch das Verhältnis von Berger zu Fuchs, die erst gar nicht begeistert ist, dass er ihr zur Seite gestellt wird und wie die Entwicklungen die beiden aber doch näher zueinander rückt. Dazu trägt eine ziemlich absurde gefängnispädagogische Aktion bei: sie schlagen in der Wohnung von Berger eine Tür samt Rahmen aus der Wand, schleppen diese ins Gefängnis und wollen ihre Schützlinge auf den Tag der Freiheit vorbereiten, indem sie durch den Türrahmen gehen und sich das Gefühl der Freiheit schon mal vorstellen. Kunstunterricht im Knast: ein Versuch immerhin, zu Vermenschlichung des Strafwesens zumindest für jugendliche Straftäter.

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