Polizeiruf 110: Das Licht, das die Toten sehen (ARD, Sonntag, 15. Mai 2022, 20.20 Uhr)

Postmortaler Tierfrass,

könnte auch diesem Polizeiruf passiert sein, dem möglicherweise die Story zum Opfer gefallen ist und nicht nur der Frauenleiche, um die sich der Kriminalfall dreht.

Dieser Polizeiruf wirkt irgendwie nicht sendefertig. Eher ist er eine Ansammlung von Probematerial der Drehbuchautoren Sebastian Brauneis und Roderick Warich und von Regisseur Filippos Tsitos. Was noch fehlt, das wäre eine Geschichte. Es sind Impressionen aus den Milieus der Polizei und junger Bewohner einer anonymen Satellitenstadt, irgendeiner Jugendkultur und Eiskunstlauf, Drogen, Musik, Videos, Videospiele – und, münchnerisch: eine Brauerei und außerdem eine Geisterfrau.

Der Film wirkt wie eine Spielerei mit Fotoshop beliebiger Close-Ups aus den erwähnten Milieus, aufgenommen mit fahriger Kamera und nervös zusammengeschnitten.

Ein Flickenteppich aus Versatzstücken von Krimiszenen, ein nicht nachvollziehbares Teenie-Verhältnis, eine Frau, die wegen einer entlaufenen Tochter kirre ist und wie ein Gespenst durch den Bildverhau geistert, verkorkste Close-Up-Strategie, die konträr zum Storytelling arbeitet,

Der Film ist so nicht ready for airing. Da ist zwar schon ein Verbrechen konstruiert. Was dann irgendwie 10 Minuten vor Schluss aufgedröselt wird; was aber im Hinblick auf das Gesehene und die Figuren kaum Plausibilität hat. Storytelling wäre, es so zu erzählen, dass der Zuschauer dran bleibt und sich anhand der Story durch menschliche Abgründe führen lässt, die zu dem Verbrechen geführt haben. Das ist hier nicht der Fall. Da werden in den letzten zehn Minuten die Dinge erklärt, die eigentlich der Film vorher hätte erzählen sollen, richtig filmisch erzählen, mit der Figurcharakterisierung und den daraus resultierenden Konflikten. Hier gibt es nur Detailaneinanderreihung von Photoshopbildern, die Stimmung erzeugen sollen, aber kaum was über Motive, Beweggründe, Needs der Figuren verraten.
Unfertige Arbeit von Bavaria Fiction.

Die BR-Redaktion hätte das Teil besser zurückgegeben – oder so nicht in Auftrag gegeben.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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