Sigmund Freud – Freud über Freud

Freud über die Hintertreppe

Klar, die Psychoanalyse mit allem Drum und Dran kommt vor in diesem Film aus Frankreich von David Teboul, der mit Francois Prodromidès auch das Drehbuch geschrieben hat. Es ist aber nicht der Freud aus Wikipedia oder der Freud der Wissenschaftsgeschichte, der hier vorgestellt wird, es ist Freud selber in Selbstzitaten, in Zitaten von seiner Tochter Anna und von der späteren Klientin Marie Bonaparte, die eine reiche Nachfahrin des franzöischen Kaisers war, und in Zitaten von Freunden oder von Lou Salomé.

Es sind Zitate aus dem Nähkästchen sozusagen, und wer es noch nicht wusste, erfährt es hier, dass Freud mit seiner Tochter Anna eine Psychoanlase gemacht hat, dass sie selber Psychanalytikerin wurde und der Papa verrät an einer Stelle, dass die Tochter nie einen Mann gehabt habe. Das sind Aussagen, die schon neugierig machen, was da zwischen Vater und Tochter wirklich war.

Über eine lange Anlaufstrecke wirkt der Film mehr wie ein illustrierter Podcast mit beachtlichem Archivfootage oder Found Footage, wie man auch sagen könnte, Filme, die aber keinen direkten Zusammenhang zu den Texten über Herkunft und Werdegang Freuds haben, sondern die mehr oder weniger geschickt oder beliebig ausgewählt eine Nähe zur Psychoanalsye bebildern sollen. Das wirkt einigermaßen abstrakt, filmisch wenig kompakt, so aufregend das einzelne Material ist von einem Mann, der auf einen Berg steigt, von Massendarbietungen aus einem riesigen Stadion, vom Stadtleben in Wien, einem Flößer in einem wilden Strom, aus einem Spielfilm mit einer Szene, in der ein Mann fast von einer Straßenbahn überfahren wird.

Erst wie innerfamiliäres Super-8-Material von Anna und dann auch von Marie Bonaparte montiert wird, wandelt der Film sich zu einer Art persönlichem Familienfilm, der sich mit dem Hund beschäftigt, der das Ende der Sitzungen eingeleitet habe oder mit dem Einfluss des Anschlusses von Österreich an das dritte Reich und der Flucht der Freuds und ihr Leben als Emigranten zuletzt in England, wo der Meister schon sehr krank war.

Ein Film, der eher ein bemitleidenswertes Bild des berühmten Psychoanalytikers zeichnet. Bemerkenswert ist auch seine Meinung zur Staatsgründung Israels, die solle nicht dort auf einem Terrain passieren, das auch Christen und Mosleme als heilig für sich beanspruchen, sondern lieber auf einem historisch unbelasteten Boden; wie recht Freud aus heutiger Sicht behalten sollte.

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