Nawalny – Navalny

Over the Top

würde man über einen solchen Thriller schreiben, wenn Hollywood ihn produzierte, ist an einer Stelle dieses Dokumentarfilmes von Daniel Roher zu hören.

Roher hat, das ist der zentrale Faden im Film, mit Alexei Nawalny ein längeres Interview geführt, 2020. Das war nach seiner Genesung vom Giftanschlag durch Putins Schergen und vor Nawalnys Rückkehr nach Russland.

Das Interview soll auch einer allfälligen Verhaftung, gar Beseitigung Nawalnys nach seiner Rückkehr nach Russland vorbeugen, eine Message hinterlassen.

Der investigativ-journalistische Scoop im Film ist die Recherche, ausgehend von Bellingcat, nach den Hintergründen des Giftanschlages auf Nawalny in Sibirien, den er überlebte, woraufhin er sogar aus Russland ausreisen durfte zur Behandlung in Berlin.

Parallel laufen die Recherchen, es wird im Blut Nawalnys das Gift Nowitschok („Putins Unterschrift“) nachgewiesen, dessen hinterhältige Eigenschaft die ist, schnell wieder zu verschwinden.

Es ist eine atemberaubende Dokumentation, die den Machtkampf zwischen dem russischen Despoten und dem freiheitlich denkenden und agierenden Nawalny und seines Teams spannend aufzeigt.

Es wird auch klar, dass zwei starke Spieler immer wieder Fehleinschätzungen des anderen erliegen. Warum hat Putin Nawalny ausreisen lassen und so dem Westen die Beweise seiner Skrupellosigkeit geliefert. Warum fühlte sich Nawalny so sicher und glaubte, ohne verhaftet zu werden, nach Russland zurückkehren zu können, hat er die eigene Medienmacht, die Millionen Clicks, die die öffentliche Enttarnung des Mörderteams weltweit auslösten, überschätzt? Oder war ihm nicht bewusst, wie sehr er damit Putin erschrecken musste?

Nawalnys Team hatte vorgearbeitet, die Enthüllungen über Putins Palast haben aber auch nichts gebracht. Inzwischen scheint der verbrecherische Kremlherrscher die Opposition zum Schweigen gebracht zu haben, führt seinen absurden Kriegszug in der Ukraine wie angefressen fort und von der russischen Opposition ist nichts mehr zu hören. Obwohl die sicher am Weiterarbeiten sind. Daran will der Film erinnern.

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