Die Kunst der Stille – Marcel Marceaus Geheimnis

Elektrisierend

durchziehen und spiegeln Geist, Weltsicht und Kunst des Pantomimen Marcel Marceau diese Collagendoku von Maurizius Staerkle Drux und machen deutlich, wie weltdurchdringend das Wesen des Künstlers war, wie pazifistisch vor dem Hintergrund des Holocaust.

Ein Schrei ohne aufgedrehte Dezibel, lediglich durch Bewegung und Konzentration, eine Durchdringung von Welt und Sein, von Mensch und Tier und Pflanze, eine Kunst, die keine menschlichen Macht- und Gewaltspiele anerkennt, die verhalten und faszinierend reagiert darauf und die ansteckend scheint.

So wirkt sich die Collage als adäquates kinematographisches Mittel soghaft auf den Betrachter aus. Sie besteht aus Archivmaterial über den berühmten Clown, über die Zeitgeschichte, aus Interviews und Begegnungen montiert zwischen Naturaufnahmen, Fluss, Wolken, Landschaft und angenehm zurückhaltenden Talking Heads aus Verwandtschaft und Lebensumkreis des großen Pantomimen, der 300 Shows im Jahr weltweit gegeben hat.

Es gibt auch Reenactment. Marceau hatte in seiner Jugend für den französischen Widerstand jüdische Kinder in die Schweiz geschmuggelt, durchaus auch mit theatralen Mitteln, beispielsweise vorgeblichen Beerdigungen, weil die Friedhofsmauer auch die Grenze war oder im Zug, da mussten die Kinder die Kunst des Schweigens üben, um sich nicht zu verraten.

Wenn Marceau nicht aufgetreten ist, hat er unterrichtet; seine Schule wird von seiner Frau, seinen Töchtern weiterbetrieben und auch Enkel Louis wird in eine Hommage integriert, bei der Marceau groß auf der Leinwand erscheint und seine Familie auf der Bühne davor sich pantomimisch bewegt.

Zum Collagenmix gehört ein gehörloser Pantomime und ein anderer Schüler von Marceau, der später mit der Diagnose Parkinson umgehen muss und Workshops mit Parkinson-Patienten abhält.

Charlie Chaplin war Marceaus großes Vorbild. Und ein 108 Jahre alter Mann, der Marceau kannte, erzählt, wie er noch heute jeden Muskel trainiert und sich somit fit hält, auch eine Durchdringung mit Marceaus Lebenshunger und dessen berühmter, geschlechtsneutraler Figur Bip, die dank der Sprachlosigkeit spielend überall auf der Welt verstanden werden kann. Durch dieses Allverständnis und diese Alldurchdringung fühlte sich der Pantomime auch nie einsam: und wo hat Michael Jackson seinen berühmten Moon-Walkd her? – Richtig!

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