Imad’s Childhood (DOK.fest 2022)

Gruselige Kindheit
Kinder sind formbar,

zum Guten wie zum Bösen. Nicht umsonst heißt es von den Jesuiten, man solle ihnen die Kinder bis sechs Jahre geben und sie würden ihnen gehören.

Imad, der Protagonist dieses Filmes vom Zahavi Sanjavi, ist vier Jahre alt. Er hat bereits zwei extrem widersprüchliche Formungen hinter sich.

Die ersten zwei Jahre in einer intakten, glücklichen, jessidischen Familie. Dann kam 2014 die ISIS, verschleppte und trennte die Familie. Imad, er war gerade zwei Jahre alt und sein zwei Jahre jüngerer Bruder bleiben bei der Mutter. Diese wird zehn Mal verkauft, Imad tagsüber von den Männern mitgenommen und für das brutale Kriegshandwerk vorbereitet. Er darf nur arabisch sprechen. Die Kinder haben neue Namen bekommen.

Der Film setzt ein, nachdem die Mutter mit den zwei Buben vom ISIS freigekauft worden ist. Sie kommt in das Khanke Camp für Jessiden. Das ist 2016.

Der stämmige 4-Jährige erweckt den Eindruck eines vollkommen gestörten Kindes, das nur spucken, schlagen, schreien kann. Er sprich kein Wort kurdisch. Er kommt mit seinem kleineren Bruder und der Mutter in einer einfachen, gemauerten Behausung bei der Oma unter.

Der Film beobachtet nun, wie sich die Mutter, die Oma, eine Psychologin, ein Arzt, eine Kindergärtnerin bemühen, den wilden, kräftigen Buben zu integrieren. Da er erst vier ist, müsste noch was zu machen sein.

Tatsächlich fängt er an, die kurdischen Zahlen zu lernen. Aber es bedarf vieler Mühe, vieler Einzelstunden. Es braucht Zeit und Geduld, bis er mit der Oma Brotteig knetet. Dabei hat er seinen Handkantenschlag noch nicht verlernt, mit dem er immer wieder einer Puppe den Kopf vom Körper trennt.

Ein paar Dinge erfährt man, was dem Jungen beigebracht worden ist. Es sind Scheusslichkeiten. Zu schweigen von dem, was die Mutter erlebt hat. Sie tut sich schwerer im Umgang mit ihren Traumata. Für sie nimmt man sich, zumindest erweckt der Film den Eindruck, nicht so viel Zeit wie für den Buben. Sie braucht Tabletten. Gleichzeitig gibt der Film einen Einblick in das Leben im Flüchtlingslager. Kein Mensch wird voraussagen können, wie sich diese ISIS-Zeit für Imad in seinem späteren Leben auswirken wird.

„In August 2014 Yazidi population in the region of Sinjar was atteked by ISIS.
1800 Yazidis were killed and 6400 were taken hostage, mostly womand and children, used as sex slaves.
ISIS later startet a market, where Yazidi women and children could be bought back for large sums of money.“

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