Wolke unterm Dach

Deutscher Trauerverarbeitungsfilm – deutscher Themenfilm

Zum Beispiel Francois Ozon zeigt mit Alles ist gut gegangen wie ein Themenilm (hier das Thema Sterbehilfe) cineastisch spannend und ansprechend gestaltet werden kann.

Dirk Ahner als Autor nach der ursprünglichen Geschichte von Chris Silber und Alain Gsponer als Regisseur zeigen, wie man es besser nicht machen sollte, denn dafür ist das Kino nicht gemacht.

Woran das liegen mag? Sicher nicht, weil sie es so wollen. Vielleicht liegt es schon an der Exposition. Das Drehbuch verfolgt zwar den Protagonisten Paul (Frederick Lau) wie eine dröge Aktenbeschreibung von Schritt zu Schritt, weigert sich aber, ihn als Subjekt für den Zuschauer spannend zu machen, ihm Konflikte in den Text zu schreiben. Er muss sich darauf beschränken, praktisch Szene für Szene wie ein Untergehender hilfsbedürftig auszusehen und dann auch stimmlich zu verzweifeln.

Vielleicht liegt manches an defizitärem Regiehandwerk. So jedenfalls kann der an sich wunderbare Lau den Film nicht tragen; er macht ihn eher unerträglich mit seiner Dauerverzweiflung im Gesicht und in der Stimme. Der Grund dafür ist ausdrücklich das Buch.

Paul ist in Kolumbien im bergigen Dschungel zu Gange. Er ist Krankenpfleger (diese Präzisierung kommt erst später) auf einem Helfereinsatz. Im Dschungelflugzeug sitzt er in der ersten Reihe. Ihm gegenüber sitzt die Hostess Julia (Barbara Herzsprung). Sie müsste, wenn sie professionell wäre, eigentlich angeschnallt sein, denn es gibt heftige Turbulenzen.

Lau spielt Angst und Verzweiflung. Die Hostess fällt vor ihm auf den Boden. Das ist auch deshalb unglaubwürdig, weil es einfach schlecht inszeniert ist. Kurz wird anskizziert, dass eine Liebesgeschichte draus wird, der Zuschauer bleibt außen vor, bekommt unpersönliche Hochzeitsbilder serviert.

Es gibt keinerlei Hinweise, dass es sich um eine große und tiefe Liebe handelt. Eher entsteht der Eindruck eine Werbeimitatliebe. Insofern lässt sie den Zuschauer kalt. Bald stirbt Julia. Hannah Herzsprung ist eine zuverlässige Servierschauspielerin, sie hat alle geforderten Emotionen umstandlos abrufbereit.

Tja, und jetzt muss Paul den Rest des Filmes trauern, verzweifeln, schier verzweifeln, er wird unzuverlässig in der Arbeit als Krankenpfleger, er hat finanzielle Schwierigkeit, wie genau bleibt im Dunkeln.

Im richtigen Moment kommt Malik (Kida Khodr Ramadan) ins Spiel. Das ist so inszeniert, dass er in das Haus einziehen wird und so Paul und sein Töchterchen Lilly (Romy Schroeder) es nicht verlieren.

Bis es nach zwei langen Stunden endlich so weit ist, tauchen noch relativ wahllos ausgewählte Subventionsschauspieler auf, sieht das Töchterchen auf dem Dachboden erst eine Wolke (titelgebend) und dann die Mutter, arbeitet der Vater mit dem Töchterchen die Liste ihrer Wünsche ab, gibt es eine Kunstflugnummer, die mit Misstrauen in der Ehe der Verstorbenen zu tun hat und als Katalysator für die Trauerverarbeitung herhalten muss. Das sind dramaturgische Versatzstücke wie aus dem Ersatzteillager. Es verwundert, dass Warner Brothers mitproduziert hat und man fragt, sich, ob die einen Lektor beschäftigen, bevor sie in so ein Projekt einsteigen. Nein, für sowas ist das Kino garantiert nicht erfunden worden; zu schweigen vom unerträglichen Dauer-Süß-Sound.

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