Alles, was man braucht

Wandelbar

Die großen technologischen Veränderungen und Umwälzungen, die von Lebensweise und Lebensstil in den Zentren des Landes, hinterlassen ihre Spuren bis an die Ränder; im Hinblick auf das Thema Nahversorgung hat Antje Hubert Dörfer im Norden Deutschlands besucht. Es geht um den guten alten Konsum, den Laden, der für eine Dorfgemeinschaft alles bereit gehalten hat.

Es geht bei Antje Hubert um das Verschwinden dieser Geschäfte als Folge des Aufkommens der Supermärkte auf der grünen Wiese, die der mobile Teil der Bevölkerung bequem mit dem eigenen PKW erreichen kann, zum Nachteil meist der älteren Bewohner.

Die Dokumentaristin hat ihre Reise über zwei Jahre gemacht und mehrere Orte nach einem Jahr noch einmal besucht, Orte wie Bagemühl in der Uckermark, Rothenklempenov in Vorpommern, Delve in Diethmarschen, Christiansholm im Kreis Rendsburg-Eckernförde, Müden in Örtze und auch eine Hallig, Langeneß.

Die Folgen der Entwicklung sind in diesen Randgebieten überall die gleichen: der Verlust der Nahversorgung, das Verschwinden von Metzgereien, Bäckereien und eben der Konsumläden.
Aber der Mensch ist rührig, der Mensch ist aktiv, er lässt sich nicht einfach überrollen von der Entwicklung. Die Initiativen dagegen sind vielfältig. Am einen Ort, an dem es nicht einen Laden mehr gibt, sorgt der Bürgermeister wenigstens für einen 24-Stunden-Automat, der auch als Treff gilt mit Büchertauschregalen.

Das ist das, was die Menschen am meisten vermissen, den Verlust von Kommunikationsorten, denn oft verschwinden auch die letzten Gasthäuser. Es gibt eine Frau, die den letzten Konsum eigeninitaitiv weiterbetreibt. Es gibt das Ehepaar, das einen Dorfladen als Geschäftsidee wieder aufleben lässt inklusive Treffpunkt und T-Shirts mit dem Namen drauf als Corporate-Identity. Es gibt den modernen Biobauern, der einen Hofladen betreibt als Nachnachfolger zu einer LPG der DDR und es gibt die Dorfinitiative, die statt des Tante-Emma-Ladens als moderne Geschäftsidee Geld für den Tante-Hannah-Laden zusammenlegt, der mit einem Umsatz in Millionenhöhe kalkuliert.

So ein Randblick kann viel erzählen über die Gesellschaft insgesamt; und sie erzählt hier, dass diese Gesellschaft überaus quirlig und findig ist; dass sie nicht die Waffen streckt und vor allem, dass Gewinnmaximierung nicht überall als das A und das O des Lebens gesehen werden; wie die reine, kapitalistische Lehre es verlangte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.