Die Glücksspieler – Der Wunschzettel (ARD, Mittwoch, 27. April 2022, 20.15 Uhr)

Was ist Glück?

Was ist individuelles Glück? Ist Glück vergleichbar? Was braucht es zum Glück? Kann der Mensch überhaupt Auskunft geben über sein Glück? Lässt sich spielen mit dem Glück? Was hat Geld mit dem Glück zu tun? Uralte Menschheitsfragen. Im Grimmschen Märchen schrumpft dem Hans sein materielles Glück zusehends und bei Nestroys Lumpazivagabundus zeigt es wenig Haftbarkeit bei den Handwerksgesellen.

Ob es für einen 45-Minüter fürs Hauptabendprogramm des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes ein Glück ist, dass gleich vier Zwangsgebührentreuhänder, also Fernsehredakteure (Claudia Simionescu, BR, Amke Ferlemann, BR, Bernhard Natschlager, ORF, Henrike Vieregge, WDR), mitgemischt haben, sei dahingestellt und die Entscheidung dem Zuschauer überlassen.

Für den Kritiker wirkt der Film von Michael Hofmann, der mit Bert Koß auch das Drehbuch geschrieben hat, mehr wie eine angestrengte Bemühung denn wie ein Glücksfall.

Klar, das Glück des Menschen ist ein zeitloses Thema und wenn Menschen glücklich sind, so ist das sicher gut für die Gemeinschaft und den Staat. Und zum Glück gehört wohl die Reflexion darüber, die durchaus mit Geschichten, wie eingangs erwähnt, eine traditionell bewährte Behandlung erfahren. Dass aus dem Film hier ein Traditionsgut wird, dürfte eher zu bezweifeln sein, zu sehr scheint die Geschichte auf Teufel komm raus zurechtgebogen, zu wenig einprägsam geschrieben sind die Figuren, zu beliebig wirken die Besetzungen.

Ein Glück ist es immerhin für einige der Protagonisten des Filmes insofern, als sie in den Titeln nicht nur mit ihren Künstler-, sondern auch mit den Rollennamen und ihrem Bild vorgestellt werden. Das ist eher ungewöhnlich und sympathisch.

Der alte Reiche, der in seinem Reichtum nicht glücklich ist und der eine Art Lebensgemeinschaft mit seinem Butler pflegt, ist eine kulturell wenig überraschende Erfindung. Es gibt eine kleine Vorgeschichte. Ein Ballon verfängt sich in einem Baum der Villa. Ein Buntspecht bringt ihn zum Platzen (das hätte man lustiger darstellen können). In der Ballonpost beklagt sich der Absender, ein Junge, über den chronischen Streit der Eltern und eine zerdepperte Vase. Mit seinem Butler und dem schweren, schwarzen Rolls Royce fährt der Reiche los und bringt den Eltern eine Ming-Vase. Diese Story hört abrupt auf.

Dann zitiert der Reiche drei nach unklarem System ausgewählte Mitmenschen. Das Spiel, das er mit ihnen spielen will, ist vielleicht auch nicht allzu glücklich ausgewählt. Sie sollen sich ein Jahr lang jede Woche einmal treffen (der Reiche ist über Kamera dabei) und sich über ihr Glücklichsein unterhalten und ob sie glücklicher werden; eine etwas unscharf formulierte Bedingung.

Ende Jahr erhalten sie eine steuerfreie Aufwandentschädigung von je einer Million. Weitere Bedingung: sie müssen alle drei bis zum Schluss mitmachen, sonst platzt der Vertrag, der eigentlich kein justiziabler Vertrag ist und auch kein sonderlicher Spannungsbringer.

Eine Story, die nicht genügend durchdacht ist. Die erklecklich aufgedunsene Musik wirkt umso deplazierter. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Chose nicht gleich und ganz klar als ein Märchen zu erkennen gibt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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