The Second Life – Das zweite Leben der Tiere

Maurizio, Robert, Christophe
Orang-Utan, Greifvogel, Tiger
Rom, Berlin, Brüssel

Was haben diese je drei Namen, Tiere und Orte gemeinsam? Die männlichen Vornamen stammen von professionellen Tierpräparatoren an Naturkundemuseen, die Tiere sind die Objekte, die sie im Hinblick auf eine Ausstellung bei einer Jagdmesse in Salzburg präparieren und die Ortschaften sind die Orte ihrer Tätigkeit.

In Salzburg gibt es die Europameisterschaft der Tierpräparatoren; dabei sind Preise zu gewinnen, wobei die wenigsten der weit über 100 Teilnehmer Tiere im Hauptberuf präparieren. Die Berufsbezeichnung lautet: Taxidermist.

Der Film von Davide Gambino mit dramaturgischer Beratung durch Lukas Roegler, der auch den Kommentar als Autor verantwortet, wird hier in der WDR-Fassung gezeigt. Er begleitet die drei Protagonisten über die Vorbereitungszeit bis zur EM in Salzburg in tv-gängiger Verzopfmanier.

Der Film versucht mehr ein Stimmungsbild zu erzeugen als einen Einführungskurs in das Fach der Taxidermie zu geben. Er wirft Seitenblicke auf das teils bunte Privatleben seiner Protagonisten, es gibt Momentaufnahmen aus dem Handwerk des Präparierens, vom Studium noch lebender Tiere über das Herstellen der Totenmaske, das Fellabziehen bis zum Gipsabdruck des Körpers.

Pech kann es sein, wenn das Fell durch das Gerben schrumpft und dann nicht mehr passt. Das ist die Erfahrung die der Brüsseler Christophe macht. Aber der Tiger aus dem Zoo ist seine erste Präparation eines so großen Tieres. Bei ihm gehört auch eine Travestieperformance als Tiger-Lady zum Studium seines Präparationsobjektes.

Die Texte von Lukas Roegler sind reine Botschaft. Sie erinnern daran, kassandrahaft, wie rasant das Artensterben bei Tieren und Pflanzen vor sich geht, wie die Taxidermie einen Beitrag leistet, darauf hinzuweisen und wenn Tiere schon ausgestorben sind, diese wenigstens als Präparate erhalten zu können. Das ist ihr zweites Leben. Es ist ein Weckruf, dass Tiere und Pflanzen für immer verschwinden werden, weil der Mensch sich immer weiter ausbreitet und den Lebensraum der Natur schrumpfen lässt.

Mit Pathos wird auf die Dramatik der Lage hingewiesen, es wäre zu traurig, wenn wir das Leben nur noch taxidermisch nachgestellt erfahren könnten.

„Taxidermie stellt das Leben nach, formt es zu einer einzigen, letzten, großen Geste“ …sie will „sichtbar machen, was sonst verborgen bleibt“ … „dass zukünftige Generationen noch eine Verbindung zur Natur verspüren“ ….“letzte Botschaft der Tierwelt, bevor sie endgültig verstummt“.

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