The Northman

Das orthodoxe Theaterdonnerkino des Robert Eggers

Der modernste Wikinger-Film, der mir bislang untergekommen ist: Wahlhalla Rising von Nicolas Winding Refn: hier hatte ich das Gefühl, dass ein Mensch von heute für ein Publikum von heute eine Geschichte von früher erzählt; mithin: modern, erfrischend neu.

Robert Eggers (Der Leuchtturm, The Witch) dagegen, der mit seinem Bruder Sjon auch das Drehbuch geschrieben hat, scheint in den Fängen von Kunst- und Religionsgeschichte, von Rache- und Nordicmovies gefangen. Er bezieht aus ihnen seine Motive und Bilder, seine Art die Schauspieler zu führen (oder eher nicht), seine Art, um sich zu unterscheiden: beim Theaterdonner noch eins draufsetzen und selbstverständlich bei den Computereffekten auch, genau so wie bei dem dick aufgetragenen Sound, der vor allem wichtigtuerisch wirkt. Das würde ich orthodox nennen, wenn nicht rückwärtsgewandt oder gestrig, was mich jedenfalls nicht besonders antörnt.

Nichtsdestotrotz beinhalten diese Qualifikationen, dass der Plot eine solide Story ist. Hier eine archaische Geschichte von der Rache des Sohnes an seinem Vater, der von dessen Bastard-Bruder getötet wurde und die Mutter geheiratet hat; klassisches Hamlet-Motiv hervorgekramt aus der Geschichte lange vor Shakespeare, angesiedelt im Jahr 895 vor Christi.

Von visionär aber kann hier keine Rede sein; es ist alles allzubekannt und nur mit Effekten, jahrmarktschreierischen, soll das Altbackene aufgemöbelt werden. Die Schauspieler müssen viel schreien und es ist weder einsichtig noch nachvollziehbar, warum dafür Weltstars bestellt und bezahlt werden (Alexander Skarsgard, Nicole Kidman, Ethan Hawk, Anya Taylor-Joy), die sich weit unter Wert verkaufen und nicht eine bemerkenswerte oder besonders interessierende Darstellung bieten. In dem vielen Naturlicht hätten Laien es allemal getan, rumschreien oder gespreizt sprechen, das können die auch und es wäre vermutlich sogar deutlich uriger, mithin überzeugender geworden.

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