Haute Couture

Enge und atemlos-fahrige Taktung eines Haute-Couture-Schneiderinnen-Lebens,

das ist es, was Sylvie Ohayon mit Montage und Beschränkung praktisch nur auf Halbnah-Aufnahmen sowie den pausenlosen Dialogen faktisch in ihrem Film beschreibt.

Es ist der Gegensatz von Haute Volée, von mondäner und reicher Welt. Es ist der enge Blick auf die Ateliers dahinter, auf die Frauen, die sich hier ausbeuten lassen. Selbstverständlich, dass an den Wochenenden vor den großen Modeschauen im Hause Dior genäht und geschneidert wird mit kostbaren Stoffen. Selbstverständlich, dass dafür nicht extra bezahlt wird. Selbstverständlich, dass für die Götter der Mode das Privatleben leidet. Und ebenso selbstverständlich, dass die Näherinnen stolz auf ihre Firma sind.

Esther (Nathalie Baye) steht kurz vor ihrem Abschied vom Beruf. Sie ist die Chefin des Nähateliers von Dior. Sie ist verhärmt und zuckersüchtig. Sie trägt Entwürfe offen in ihrer Handtasche durch Paris, fährt damit U-Bahn. Keine Angst vor Diebstahl. Just der passiert ihr. Zwei Vorstadtgören lenken sie ab und haben die Tasche. Jade (Lyna Khoudri) ist so gläubig wie abergläubisch und dass in der Handtasche eine Kette mit einem Davidstern ist, den man just aus solchen Gründen eh nicht verkaufen kann, macht sie reuig.

Jade will die Tasche der Eignerin zurückbringen. Diese ist fasziniert von der jungen Frau – vielleicht weil sie die eigene Tochter vernachlässigt hat. Ganz unkompliziert, fast schon märchenhaft einfach, wird aus der Vorstadtdiebin ohne Lebensziel eine Praktikantin im Dior-Näherinnen-Atelier.

Es geht dem Film nicht um realistische Nachvollziehbarkeit. Es geht ihm definitiv darum, aus einer klaren Ausgangslage, fast sieht es etwas zu kalkuliert aus, eine klare Schlusslage zu bekommen über ganz klar eingebaute Konflikte, dass Jade die Parfümflasche klaut, dass die böse Andrée (Claude Perron) ihr in den Finger sticht und solch menschliche Dinge mehr. Es geht darum, dass das einfache, ungebildete Mädel aus der Vorstadt die Frau am Ende ihrer Berufslaufbahn auf die menschlichen Werte des Lebens hinweist, dass die doch wohl höher zu bewerten sind als alle Ausbeuterjobs bei einem berühmten Modelabel, was sowieso nur beschissene Löhne bezahlt.

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