Lebenslinien – Ottfried Fischer und Herr Parkinson (BR, Montag, 18. April 2022, 22.00 Uhr)

„Mit der gebotenen nötigen Heiterkeit…“

arrangiert sich Ottfried Fischer, der Kabarettist und Schauspieler, mit Herrn Parkinson, der bis zuletzt sein ständiger Begleiter sein wird und ihn mit ins Grab ziehen wird, ihn immer mehr erstarren lässt.

Ottfried Fischers unbestechlich scharfen Blick auf die Welt, die Dinge wie auch die eigene Situation kann Herr Parkinson ganz offensichtlich nicht trüben, auch wenn es schöner wäre ohne diesen ständigen Begleiter.

Die Klarheit von Fischers Denken sowie die Knappheit des Karriererückblicks tragen dazu bei, dass diese Lebenslinien von Manuela Roppert unter den redaktionellen Auspizien von Sonja Hachenberger sich in den schweren Wassern der im Lebensliniernformat generell unerträglichen Eigen-PR des BR recht ordentlich schlagen.

Ja, diese Lebenslinien fangen mit einer Ur-Wucht an, wie Ottfried Fischer mächtig singt, mäeutisch am Flügel begleitet von Barbara Dorsch, da schlackerste mit die Ohren!

Das früher schon oft verbreitete Zitat vom Heu, das er einfahren müsse, da der Winter ziemlich lang sei, kommt vor und erweist sich als eine fatale Prophezeiung. Das macht es ihm immerhin möglich, recht komfortabel ein Haus rollstuhlgängig in der stotzigen Altstadt von Passau auszubauen, das bewahrt ihn davor, in einem Pflegeheim reglos an die Decke starren zu müssen, wie er sagt.

Aber vielleicht sollten die Lebenslinien auch mal an so einem Ort vorbeischauen; Menschen, um die keiner sich kümmert und die nicht viel Heu einfahren konnten in ihrem Leben. Vielleicht gäbe es auch da, wo sich keiner mehr hinverirrt, überraschende Lebensläufe zu erfahren, die nicht mit BR-Auftritten glänzen konnten.

Ausgiebig zu Wort kommt Fischers Frau Simone; sie gibt dem Kabarettisten Halt in der schwierigen Situation.

Fischers größter Erfolg dürfte „Der Bulle von Tölz gewesen sein“; der war von einem Privatsender produziert. Insofern wirken die Ausschnitte daraus etwas lieblos hineinmontiert in diese Lebenslinien des BR. Sie zeigen Ruth Drexel als die Mutter des Bullen; er selber meint – auch das zeigt seine Größe – dass ohne sie er nichts gewesen wäre, weshalb die Serie nach ihrem Tod eingestellt worden ist. Von solcher Konsequenz könnte der BR mit seinem Verschnitt-Fortsatz von Hubert und Staller nur lernen.

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