Caged – Gefangene der Lust (DVD)

Vanille-Sex
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Sigmund Freud: The sexual life of adult women is a dark continent for psychology

Es geht um die weibliche Lust, das besagt dieser Vorspann-Text von Sigmund Freud. Es geht um die Lust der Protagonistin Stella (Chantal Demming). Sie findet die Kamera zu Sirenengesängen und langsam durch Maschinen-Keller-Räume gleitend in einem leeren, gemauerten, fensterlosen Raum in Jeans und weißem T-Shirt auf einer Matratze liegend.

Die Kamera folgt den Regeln des Horrorfilmes. Die Protagonistin ruft „Hallo“, will eine Tür öffnen, geht nicht. Sie findet sich eingesperrt – in die Welt der Gewaltfantasien ihrer Lust?

In einem Monolog gibt sie zu verstehen, dass sie sich an den Vanille-Sex mit ihrem Gatten Vincent (Georges Dewvdariani) gewöhnt hat, in der Meinung, dass das der Standard sei. Aber etwas in ihr rebelliert dagegen. Das kann es nicht gewesen sein.

Stephan Brenninkmeijer bleuchtet das schier unergründliche Thema der weiblichen Lust in vier Räumen.

Das eine ist der eingangs vorgestellte, abgeschlossene, leere Kellerraum, wie vermutet, der Raum weiblicher Lust- und Gewaltantasien; quasi als Gefangene dieser Lust; dieser erinnert momentweise an eine Kunstinstallation. Damit eine Story aus diesem Raum wird, erscheint er in Segmenten, die nach Tagen nummeriert sind. Später kommt hier eine zweite Frau dazu, Christine (Babette Holtmann). Intimer Austausch, vor allem textlicher Art, ist möglich.

Der zweite Raum ist das reale Leben von Stella. Sie arbeitet in einem feinen Büro, sie lebt mit ihrem Mann in einer großzügig steril eingerichteten Wohnung mit einem Buddha an auffälliger Stelle. Viel passiert nicht zwischen den beiden. Er hat immer grad keine Lust, wenn sie welche verspürt.

In Stella wachsen Fantasien nach anderen Erlebnissen sexueller Art, nach Themenparties, Orgien, geheimen Chaträumen im Internet. Das wird zu ihrem realen Fluchtraum. Ein erster Versuch mit gemeinsamem Saunieren und vielleicht mehr mit ihrem Mann, einer Freundin und deren Mann scheitert kläglich. Im geheimen Internet-Chatraum begegnet sie ihrer Arbeitskollegin Judy (Corine Van der Helm); das ist problematisch.

Stellas vierter Realitätsraum ist ein Gesprächsraum, der Gedankenraum zum Thema, der ihre Situation reflektiert, es sind die Termine bei ihrem Therapeuten (Victor Reinier); der ist immer munter interessiert, manchmal verblüfft, zeigt keinerlei Therapeuten-Abgebrühtheit.

Der Film ventiliert das Verhältnis von Lust und Treue, von Routine und Kick und ob es überhaupt eine Erlösung gibt aus dem Hunger dieser Bedürfnisse. Es ist der ewige Widerstreit zwischen Haben und Sein. Genau so das Thema, wie weit für das Sexleben Geheimnisse nötig, gar wichtig sind. Aussprechen und Öffentlichkeit können auch Lustkiller sein. Wie wiederum andererseits sowohl erlebte Gewalt als auch angewandte Kontrolle zur Triebbefriedigung beitragen können; die womöglich im blutigen Exzess enden.

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