Im Nachtlicht

Der Film trimmt den Zuschauer mit einem Prologtext gleich auf archaisch-griechisch-mythologische Dimensionen, die Geschichte von Laokoon, dem König der Arkadier. Der Frevler der Menschheit habe auf dem Altar des Zeus ein Kind geopfert und so den Zorn der Götter entfacht. Jetzt müsse er mit den Wölfen heulen, ein Nachtwandler sein, in Höhlen hausen, das Blut der Menschheit solle sein Brot sein. Der Tod werde ihn nicht finden bis zum Tag der großen Flut, die das entartete Menschengeschlecht hinwegschwemme.

Eine Frau ist die Hauptperson dieses Filmes von Misha L. Kreuz, eine geschundene Frau, eine verzweifelte Frau, sie verliert zu Beginn des Filmes alles, die Wohnmöglichkeit, den Job, die eh nur vorübergehend waren. Als Lustobjekt in einem Club, in dem nackte Männer auf eine vor ihr liegende Frau wichsen, behagt ihr nicht. So lässt sie sich vom Arbeitsamt zu einer verlassenen Mühle in Hellheim, wie ihr Familienname, vermitteln, weil sie dort als Findelkind zum Heimkind wurde. In der Mühle in Hellheim lebt eine stumme Frau.

Diana Maria Frank, die Darstellerin der Protagonistin, schaut immer mit großen verzweifelten Augen, hat den Mund halb offen, zeigt in jeder Bewegung, dass sie deplaziert ist auf dieser Welt, dass sie Opfer ist und der Film zeigt, dass Männer alles kleine Schweine sind, die Frauen nur als Anmach- und Lustobjekte benutzen.

Es ist wie der Hilfeschrei einer Frau über das Frausein und das In-der-Welt-Sein als Frau generell. Dies beschrieben als ein archaisch-mythischer Zustand, der die Frau als a priori verlorenes Subjekt oder Objekt sieht, das keine Chance auf Hoffnungen hat. Im Gegensatz zum modernen Frauenbild, was selbstbewusste Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Journalistinnen, Unternehmerinnen, Künstlerinnen vorleben und auch als solches propagieren. Das ist der erste starke Eindruck.

Aber das Blatt wendet sich. Der Film wandelt sich zum Horror-Mystery-Thriller wie ab Reißblatt. Das Weltverhalten der Protagonistin Minathe Hellheim wird rationaler, vernünftiger. Sie soll die alte Mühle rekonstruieren. In Hellheim. Genau da, wo sie herkommt, das arme Findelkind. Während sie vernünftiger wird, macht es der Film gerade umgekehrt, wird unvernünftiger, wenn man so will.

In der Mühle wohnt schon Frau Goost (Stefanie Philipps), die sieht aus wie die Hexe im Weihnachtsmärchen am Stadttheater. Sie haust da und lässt Männer im Eiskeller verschwinden. Reißbrettartig ist die Konstruktion des Filmes. Ganz gut gemacht, wie Autor und Regisseur Misha L. Kreuz das Absurde, Horrorhaft-Mysteriöse immer wieder in konkret, stilisiert-konkrete Alltagssituationen einbauen.

Ein Banker stellt Geld und Bankkarte für die Arbeit in der Mühle bereit. Ein Auto muss gemietet werden für die einsame Mühlenrekonstrukteurin, die Schreinerin gelernt und ein Architektur-Studium abgebrochen hat, auch das recht konkrete Hinweise.

Der schwatzhafte Autvermieter Eddy (Peter Herbst) ist ein Frauenanmacher, auch Frauenquäler und erleidet ein schauderhaftes Schicksal; ihn hätten wohl nicht nur Frauen interessiert, im Knast, munkeln Funktionäre, die an der Stelle seines Todes durch einen Pfeil sich unterhalten.

Eine eigenartig mystische-mythische Figur tritt in den Film, in den Polizeidienst ein, es ist der Lykanthrop (Paul von Sigriz); Bezeichnung für einen Werwolf. Auch seine Vita ist fragwürdig, verständlich bei eienem Werwolf, er scheint sich in Bezug auf Frauen (und Alkohol) nicht unbedingt beherrschen zu können. Trotzdem gewinnt er ein Stück weit das Vertrauen von Minthe.

Es ist eine Welt des Frevels, des Misstrauens, zwischen rationalen Aktivitäten, eine Welt auch der fundamentalen Skepsis zwischen den Geschlechtern und schon gar nicht gibt es hier Romanzen; eher lockt eine Armbrust als Lösung, mehr als jedes Gläschen mit Pillen. Und dann wäre da noch der Drudenfuß im Gebälk.

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