Morbius

Aus dem Marvel-Universum

Der Film von Daniel Espinosa nach dem Drehbuch von Matt Sazama, Burk Sharpless nach den Marvel Comics von Roy Thomas zieht einen von Anfang an rein mit einem wilden Helikopterflug über dem wildwolkigen Dschungel des Cerro de la Muerte in Costa Rica, Gischt, rasende Nebel, Wasserfälle, Schluchten, eine gewagte Landung des Helis auf einem engen Felsvorsprung; es liegen Kadaverreste da; es fällt der Satz, dass wenig Zeit ist.

Aus dem Helikopter tritt eine Figur mit schwarzem Umhang, Kapuze, am Stock gehend, bärtig, ein junger Mann, andererseits beinah mit einem Jesus-Gesicht, bleich, kränklich, gehbehindert. Er ist die Kapazität, es ist Dr. Michael Morbius (Jared Leto), er ist der Fachmann für die gewisse Untersuchung.

Es passiert noch etwas und schon springt der Film 25 Jahre zurück in ein Internat in Griechenland. Michael Morbius ist Schüler. Er hat schon seine Behinderung. Er hängt am Tropf. In sein Zimmer kommt ein anderer Junge, Milo. Sie, die Kränklichen, die mit dem DNA-Defekt, sehen sich als die Außenseiter, aber so auch als die Elite, als die Besonderen. Vom Pöbel der anderen Kids werden sie verspottet, gar verdroschen.

Dann der Sprung ins Heute. Morbius ist ein noch sehr junger, aber bereits berühmter Professor. Er treibt teils problematische Forschungen; Milo wird ihm auch wieder begegnen.

Was mich am Film bis dahin fasziniert hat, war die Zeichnung und Charakterisierung dieser zwei Außenseiterfiguren; grotesk daran, wie diese nicht gut aussehenden, bleichen, behinderten Menschen versuchen wollen, die Menschheit vorwärts zu bringen – das entbehrt nicht des Grotesken.

Die dritte Hauptfigur, die dann kurz auch mal für eine Amoure in Frage kommt, ist die makellose, perfekte Forscherin Martine Bancroft (Adria Arjona). Sie scheint aber fast schon Zutat aus ästhetischen Gründen zu sein, den verkrüppelten Männern eine superschöne Frau an die Seite zu stellen.

Allerdings verändert der Film nach dem Experiment mit der Maus und den nicht ganz legalen extraterritorialen Versuchen auf einem Hochseeschiff seine DNA (wie offenbar auch die seiner Protagonisten): das Selbstexperiment von Morbius entgleitet und damit auch die eingangs eingefädelte Story: ab da wird der Film ein wildes Wimmel-Wummel-Fledermaus-Monster-Getümmel, leer wie von einem Storysauger leergesaugt; erstaunlich dabei ist, dass die Zeit trotz dieser Leere schnell vergeht.

Den Satz „It is not a curse, it is a gift“ mag interpretieren wer will.

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