A Hero – Die Verlorene Ehre des Herrn Soltani

Die schwierigen Beine der Lügen

Wenn hier jemand einen Film über einen schwachen Charakter, der ein notorischer Lügner ist machen würde, interessierte sich vermutlich niemand dafür.

Filme über menschliche Charaktereigenschaften zu machen, ist möglicherweise besonders in absolutistischen Systemen angeraten. Im absolutistischen Frankreich konnte ein Moliere gedeihen mit seinen Komödien über die verschiedensten menschlichen Schwächen, Lügner, Geizhals, Menschenfeind, Heuchler, Hypochonder.

In Iran herrscht ein absolutistisches System, absolutistisch und menschenverachtend zugleich. So bietet es sich für Asghar Farhadi an, einen Film über einen charakterlich schwachen Mann und notorischen Lügner zu machen, über Rahim Soltani (Amir Jadidi).

Herr Soltani sitzt im Knast, weil sein Schwager die Geduld verloren hat. Er hatte Soltani Geld geliehen und nie zahlt er zurück, Ausreden folgen auf Ausreden.

Bei einem Knasturlaub will ihm seine Freundin, von seiner Frau lebt er getrennt, Geld leihen, damit er die Schulden begleichen kann und aus dem Knast kommt. Aber die Inflation galoppiert. Für ihr Gold gibt es nicht mal die Hälfte des geschuldeten Betrages. Also muss der andere Schwager als Bürge gewonnen werden.

Die Rettungsidee aber gerät ins Stolpern, wie andere das mitbekommen und das als ehrenrührig empfunden wird. So arbeitet das Erfindungsgehirn von Herrn Soltani hochtourig, so erfolgreich, dass daraus eine Story fürs Fernsehen und die Social Media wird. Alles wollen sie gut dastehen, der Knast, der Hilfsverein, der Geld zusammentrommelt, um zum Tode Verurteilte freizukaufen.

Asghar Fahadi beschreibt diese Geschichte in bester iranischer Manier, teils nähert er sich dem Format eines Reality-TV an. Ausführlich werden die Handlungen und die Taten besprochen und bewertet und jede Lüge muss mit einer neuen gerettet werden und alle Beteiligten werden da hineingezogen, etwas Kaugummihaftes haben diese Lügen.

Auch im Kindercast ist das iranische Kino mal wieder phänomenal, besonders der stotternde Sohn von Herrn Soltani, Slavash (Saleh Karimaei).

Der Film scheint vor allem für den Westen gedacht, der ihn auch wiederum nicht als Direktnahrung, sondern mehr aus kulturellem Gönnertum anschaut und gerne auch mit Preisen an großen Festivals auszeichnet. Insofern macht es sich gut, die Einführung des Protagonisten, der ein Kalligraph und Maler, also ein Künstler ist, mit einem Weg zu Restaurantionsarbeiten bei über 2000 Jahre alten Felsengräbern zu beginnen und so das Iranbild der Westler zu umschmeicheln. Es wird iranischer Alltag gezeigt und lange nicht alle Figuren sind korrumpierbar, entweder gar nicht oder allenfalls nur leicht.

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