Fakt oder Fake (BR, Freitag, 25. März 2022, 22.05 Uhr)

Billiges Promigewerbe, billige Promiversorgung, billiges Greifen nach Geldern vom riesigen Haufen des Zwangsgebührengeldes der Bürger

Dieses Sendeformat nach dem Buch von Severin Roseberger mit der Moderation durch Sebastian Meinberg und dem grünen Licht durch Redakteurin Pamela Wershofen wirkt vorgestrig gleich von der ersten Sekunde an. Die eingeladenen Promis – vielleicht aus einem Promisonderangebot einer angeschlagenen Promiagentur? – sollen auf Behauptungen, die die Moderation aufstellt, antworten, ob sie wahr oder erfunden seien. Die erste Frage lautet, ob Frauen mehr reden als Männer. Das ist natürlich eine Frage von mindestens historischer bis hochpolitischer Bedeutung, die sich ein zwangsgebührenfinanzierter Rundfunk unbedingt stellen und der Öffentlichkeit mitteilen muss.

Nein, solche Sendungen braucht heute kein Mensch; hier geht es einzig und allein um Ideen, mit welchen Fernsehredakteure übers Ohr gehauen werden können, damit sie Zwangsgebührengelder locker machen mit dieser Art Unterhaltung. Verhunzt wird die Sendung weiter durch den müden Rudelapplaus eines sterilen Studiopublikums und durch einen bierernsten, übervorsichtigen Moderator.

Ein solches Sende-Format könnte der BR gut outsourcen, in die Selbständigkeit entlassen; dort würde das Team sicher zahlende Käufer finden, wenn denn die Sendung so wichtig und ansprechend, nötig und begehrt ist; außer, das Publikum kennt die spektakulärsten Experimente nicht bereits selbst aus dem Internet; denn von nirgends anders haben es sich die Macher des Formats billig geholt, aus dem Internet, jawohl, aus dem Internet ins Fernsehen; wozu brauchen wir da das Fernsehen noch, wenn es doch nur bequeme Internetploitation betreibt; diese braucht wahrlich keine Subvention durch Zwangsgebührengelder. So werden Zwangsgebühren für nicht innovative, gesellschaftlich nicht relevante Formate verschleudert.

Weil es ja so viel Geld und damit Gunst zu verteilen gibt, wird zudem ein Aufgebot sogenannter „Experten“ bestellt, die ihre Sätzchen gegen gutes Zwangsgebührengeld sagen dürfen.

Der chaotische Themenmix steht nicht unbedingt für die Qualität einer öffentlich-rechtlichen Sendung, sondern eher für Beliebigkeit: Kinderarbeit. Feuertornado. Enten an grüner Ampel. Überraschungsschaum (auch schon millionenfach bekannt aus dem Internet). Drum herum ein doof blökendes Publikum, supergescheite Experten, ein öder Moderator und künstlich aufgeputschte Lustigkeit der Publikumskomparserie.

Auch hier gilt: all diese Promis tun so, als ob sie hyper gscheit und reflektiert wären. Man könnte als ‚Fakt oder Fake‘-Frage folgendes Beispiel bringen: können Sie sich vorstellen, dass es einen demokratisch motivierten und fundierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt in einem Land mit einer teils hässlichen Geschichte, der regelrecht ungerecht zu Lasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird, können Sie sich das in Ihren kühnsten Träumen vorstellen? Können Sie sich in Ihren kühnsten Träumen vorstellen, dass dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk ein Riesenbudget von 9 Milliarden Euro pro Jahr hat (wobei er bei seiner Hauptaufgabe, dem Vorbeugen gegen ein Wiederaufleben von Extremismus, kläglich versagt hat)? Können Sie sich das vorstellen, dass in einem demokratischen Land, das sich auf dem Wege einer Spaltung in Arm und Reich befindet, die Reichen im Verhältnis zu ihren Mitteln sich so gut wie gar nicht an der Finanzierung des als Demokratie-Ferment gedachten öffentlich-rechtlichen Rundfunk beteiligen, dass diese Finanzierung aber eine enorme Last für einkommensschwache Haushalte ist? Das sollen sich diese schlauen Köpfe mal überlegen. Und auch, woher ihre Talk-Show-Gage kommt.

Bei so viel Blah, fällt immer mal auch ein Bonmot ab: „Manchmal ist gar nix los, wenn man nicht drüber redet“. Selbstironie in dieser überflüssigen Sendung.

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