C‘ Mon C‘ Mon

Joaquin Phoenix

ist ein faszinierender Schauspieler. Das muss ihn aber nicht vor einem Fehlgriff bei einer Rollenzusage schützen. Nicht dass die Rolle des Johnny schlecht wäre. Er spielt sie absolut überzeugend. Das kann aber nicht über die Schwäche des Drehbuches von Mike Mills, der auch die Regie geführt hat, hinwegtäuschen und, wetten, die Stelle, wo Johnny eines der Interviews, die er führt, anschaut, oder die sein Sohn führt, und er als Kommentar nur noch sagt: „Bla Bla“, das dürfte wohl sein persönlicher Kommentar zu dem Film sein.

Es wird zu viel geblaht hier. Die Absicht von Mike Mills war vielleicht sogar gut, wenn man stefes Fazit aus dessen Film Jahrhundertfrauen beizieht, dass es sich im Glück von anderen hervorragend herumstochern und herumdoktern lässt.

Auch mit Beginners hat Mike Mills fasziniert.

Bliebe zu fragen, wie konnte so etwas passieren? Johnny war mit Viv (Gaby Hoffmann) zusammen. Sie haben den gemeinsamen Sohn Jesse (so ein richtiger Filmpüppchenbub: Woody Norman), 9 Jahre alt. Er lebt bei seiner Mutter. Der Vater ist in den USA unterwegs, um Kinder nach ihren Glücks- und Zukunftsvorstellugen zu befragen. In den Antworten kommt das übliche Blabla einer besseren Welt zum Ausdruck, wobei offen bleibt, ob die Kids das selber eruiert oder nachgeplappert haben.

Die Beziehung zwischen Viv und Johnny dagegen ist im Eimer. Das wir ausladend immer wieder erzählt. Johnny besucht aber seine Frau und den Jungen nach langer Abwesenheit, der Junge kennt den Vater kaum. Der lädt ihn ein nach L.A. und der Junge darf die Tonangel halten und Töne aufnehmen. Er findet Gefallen an dem Vater. Der nimmt ihn mit nach New York. Das gefällt dem Jungen noch besser.

Irgendwann nach fast zwei Stunden Wiederkehr der ähnlichen Gesprächs- und Interviewmuster findet die Familie kurz zusammen.

Vermutlich wollte Mike Mills genau das kritisieren, dass eine kaputte Erwachsenenwelt alle Hoffnung auf die Jugend projiziert. Das dürfte ihm gründlich misslungen sein: es kommt vollkommen unkritisch daher.

Im Gegensatz zum Film Gloria Mundi von Robert Guediguian, bei dem sichtbar wird, wie eine kaputte Erwachsenenwelt alle Hoffnung auf ein Baby projiziert.

Was alle Hoffnung zudeckelt, das ist die Photographie von Robbie Ryan. Der verdient Preise für seine Monumentalbilder nicht nur von den Städten, in denen der Film spielt, sondern genauso am Strand oder in den pointiert ausgestatteten Innenräumen: es sind Symbole für Unverrückbarkeit, für Unabänderlichkeit, der Erstarrung. Das genaue Gegenteil dessen, was die Jugend sich wünscht.

Sollte Mike Mills das so beabsichtigt haben, so kommt das nicht zielführend rüber, eher wie ein Perzeptionshindernis, denn sie ist durchaus beeindruckend, diese Schwarz-Weiß-Photographie.

Andererseits wünsche ich nicht, im Kino eine Fotoausstellung besichtigen zu müssen. Befremdlich ist auch die Musik, es ist überwiegend Kirchenmusik, Choräle; also heiligend; schwer festlich; so, als ob man sich einen Opfergang vorstellt, der einen präpubertären Jungen schlachtet, so ist es angemessen für die Verlogenheit solcher Rituale.

Auch dies kommt, sollte es satirisch gemeint gewesen sein, nicht so rüber. Und auch das macht den Film, ganz unjugendlich, hoffnungslos breitspurig.

Die demente Mutter kommt vor, bettlägrig, über dem Bett das Bild vom Dürer-Kaninchen.
Der Film strahlt eine ungestillte Sehnsucht nach Bedeutung, nach Bedeutsamkeit aus. So wirkt es, als werde der Film dem Zuschauer aufs Auge gedrückt.

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