Drei Etagen – Tre Piani

Das Leben erfassen

Dies ist der meisterliche Versuch, das Leben als Ganzes zu erfassen, zumindest bürgerlich römisches Leben, bürgerlich-römisches Familienleben, aber nicht im Sinne der Schwärmerei dafür oder der Behauptung, Familie sei alles.

Familie ist vielmehr der Rahmen, der versucht den Menschen mit seinen doch immer wieder widersprüchlichen Gefühlen und Sehnsüchten einzuhegen. Dann gibt es noch das Gesetz, das manche Beziehungen zwischen den Menschen, aber auch manche Handlungen als verboten und verantwortungslos abtut.

Nicht nur, dass es hier im Film einiges solcher Handlungen und Taten gibt; Nanni Moretti, der mit Federica Pontredmoli auch das Drehbuch nach dem Roman von Eshkol Nevo geschrieben hat, sie fließen wie ein ungezähmter Fluss des Lebens auch ineinander über zwischen den drei Protagonistenfamilien, die in dem Römer Stadthaus übereinander wohnen, in welches gleich zu Beginn und mit Karacho der junge Mann und volltrunken, Andrea (Alessandro Sperduti), hineinfährt.

Andrea wohnt mit seinen Eltern Vittorio (Nanni Moretti) und Dora (Marghareta Buy) in diesem Haus. Sie sind beide Richter. Vater ist sehr streng zum Sohn und Mutter vielleicht auch etwas zu besorgt. Vater hat den Buben schon mit 8 Jahren wegen eines kleinen Vergehens ganz streng behandelt. Das hinterlässt Spuren. Andrea gerät nicht so richtig und muss sich zudem vor Gericht verantworten. Der Komplexität nicht genug.

Moretti erzhält den Film auch noch mit zwei 5-Jahres-Zeitsprüngen. Nach dem ersten ist Andrea aus dem Knast raus, will aber von seinen Eltern nichts mehr wissen. Das anfangs des Filmes kleine Mädchen Francesca wird Zeugin, wie Andreas Auto in ihre Wohnung fährt. Das kann zu Traumata führen. Seine Mutter ist Sara (Elena Lietti) und Vater Lucio (Riccardo Scamarchio) kommt mit der Verhaltensstörung des Mädchens nicht klar, er ist besessen von der Idee, dass Nachbar Renato (Paolo Graziosi) sich an seiner Tochter vergangen habe.

Erschwerend kommt eine Demenz und Orientierungslosigkeit des Nachbarn hinzu. Die Folge sind insistente Befragungen des Mädchen.

Im Moment des die Story initiierenden Crashs ist Monica (Alba Rohrwacher), die auch in dem Haus wohnt, gerade auf dem Weg ins Spital zur Geburt ihres ersten Kindes. Ihr Mann Giorgio (Adriano Giannini) hat einen Montagejob und ist nur selten zuhause.

Es gibt noch einen Nebenstrang mit Luigi (Tommaso Ragno), dem Bruder von Lucio, einem Immobilienhai und Betrüger, kein gutes Bruderverhältnis. Und die Nichte Charlotte (Denise Tantucchi) taucht aus Paris auf und wird zur Gefahr für die Ehe des Onkels.

Der Film geht von der Grundvoraussetzung aus, dass das Gefühlsleben des Mensch nie und nimmer mit Gesetzen und Strafen zu ordnen und zu bändigen sei. So wie Claire Denis es in ihrem jetzt wieder in die Kinos gekommenen Trouble Every Day behauptet oder im neuen Film des polnischen Regisseurs Patryk Vega Love, Sex and Pandemic.

Es wird der ewige Kampf offenbar, von Nanni Moretti spannend erzählt, dass man noch lange weiterschauen könnte, nur schon um die Konstellationen gänzlich zu verstehen, bis man schier selber wie ein Teil diese Hausgemeinschaft sich fühlt – auch als Mittel gegen die zu Grunde liegende Einsamkeit des Menschen im Sein. Ein schwarzer Rabe kündigt die Nachgeburtsdepression der Mutter an.

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