Lebenslinien: Michaela May – Meine Münchner Gschichten (BR, Montag, 14. März 2022, 22.00 Uhr)

Lauer Aufguss, angereichert mit drei Suiziden

Dies hier ist ein Aufguss der eh schon höchst mittelmäßigen, lauen BR-Eigen-PR-Lebenslinien über Michaela May von Andi Niessner von 2017.

Nachdem die Mutter von Michaela May inzwischen gestorben ist, lüftet die bayerische Schauspielerin ein ganz trauriges, schweres Familiengeheimnis: alle ihre drei Geschwister haben in jungen Jahren Selbstmord begangen.

Verantwortungsvolle Medien haben eine Übereinkunft, dass wenn sie überhaupt über Selbstmorde berichten, immer einen Hinweis auf Beratungsstellen anfügen. Weil es statistisch erwiesen ist, dass Berichte über Selbstmorde zu weiteren Selbstmorden führen.

Die BR-Redaktion wird das sicher diskutiert haben, wie das heikle Thema zu behandeln sei, denn es darf ja auch nicht sensationshascherisch rüberkommen, so als wollen Redaktion und Regisseur langweilige Lebenslinien irgendwie mit Sensation aufpeppen.

Die Frage ist, ob es nicht klüger gewesen wäre, eigens eine thematische Sendung herzustellen, in der auf den ganzen PR-BR-Firlefanz verzichtet wird und Michaela May als Bürgerin darüber diskutiert, als Betroffene, in einer Sendung, in der auch ständig Adressen und Telefonnummern, Internetadressen von Hilfsstellen und Beratungsorganisationen eingeblendet werden können.

Hier im Niessner-Aufguss wird zwar dieses furchtbare Familiengeheimnis öffentlich gelüftet, gleichzeitig wird es aber gleich wieder zugedeckt, indem Michaela May zwar sagt, sie hätte einen ganzen Packen Nachlass durchforstet, aber die Gründe, warum ihre Geschwister alle ihrem Leben freiwillig eine Ende gesetzt hätten, erfährt man nicht.

Die Schlussfolgerung, die die Schauspielerin daraus zieht, ist, dass sie kompensatorisch ein mehrfach intensives Leben führen will. In der Sendung von 2017 legt ie drei Rosen am Carl-Valentins-Brunnen am Viktualienmarkt ab, jetzt kommen nochmal drei Rosen auf das Grab der Geschwister. Das scheint Brisanz und Schmerzhaftigkeit des Themas doch merkwürdig zu relativieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.