Mord in Saint Tropez

Glückliche frühe 1970er Jahre,

als Europa sich vom zweiten Weltkrieg wirtschaftlich erholt hatte, als die 68er die lähmende gesellschaftliche Stimmung aufgebrochen hatten, als der Dollar den Sinkflug begann, als es noch Kultautos gab (hier ein Renault Floride), die das Lebensgefühl ausdrückten, als Saint Tropez noch der Inbegriff – und gleichzeitig praktisch auch das Maximum – für „reich, schön, berühmt“ war, als Filmstars noch Alain Delon hießen. Eine Zeit, als Päpste noch unfehlbar waren und Missbrauch in der Kirche kein Verbrechen, eine Zeit, in der alles möglich schien und die Freiheit einem grenzenlos vorkam trotz Eisernen Vorhanges, eine Zeit, in der der internationale Terrorismus erst aufkam.

In dieser Zeit waren Feelgood-Movies, ob Komödien oder Krimis, aus dem sonnigen Mittelmeerraum von den Inseln der Reichen ein Non-Plus-Ultra an Kinovergnügen. Daran erinnert gut gelaunt und orientiert sich dieser Film von Nicolas Enamou nach dem Drehbuch von Christian Clavier, Jean-Francois Halin und Jean-Marie Poiré.

Auf dem Luxusanwesen des Superreichen Claude Tranchant (Benoît Poelvoorde) auf der Promi-Insel Saint Tropez gibt es Morddrohungen gegen dessen Gattin. Auf dem Anwesen ist die Welt zu Gast, Künstler, Schauspieler. Erst nachdem ein Attentat auf das Auto der Gattin schief geht, weil ein Gast den Wagen ausleiht, fängt man an, das Problem ernst zu nehmen.

Man hat Beziehungen bis in die höchsten Kreise von Paris. Von dort soll der beste Detektiv beordert werden, um das Problem diskret zu lösen und aus der Welt zu schaffen. Nur, die guten Detektive sind grade nicht abkömmlich. So wird Boulin (Christian Clavier) abkommandiert. Der ist nun der ziemlich eingebildeste, vorwitzigste, eitelste und gleichzeitig ungeschickteste Dussel, den man sich denken kann.

In Insider-Kreisen ist Boulin bekannt für das Chaos, was er in einer Schlachterei angerichtet hat. Damit ist angedeutet, was auf dem luxuriösen Anwesen mit seinen vielen Gästen auf uns zukommt, denn um unauffällig zu bleiben, soll er die Rolle eines Bediensteten übernehmen, Cocktails servieren oder gar den Fisch an der Tafel. Dabei geht schief, was schief gehen kann, oder in die Brüche und daneben, was in die Brüche und daneben gehen kann – und selbstverständlich überführt der dusselige Detektiv sekundengenau den Attentäter, grad bevor der abdrückt.

Es ist ein Stück fröhlicher Nostalgie, dem sich das Ensemble mit großen Vergnügen hingibt. Aber es ist auch so: die Zeit ist heute eine andere, diese Sorglosigkeit der frühen 70er kommt so nicht mehr; heute lassen sich Superreiche zum Vergnügen ins All schießen. Heute ist vielleicht über solche Dinge wie damals kaum mehr zu lachen, heute in einer vernetzten, digitalen Welt, die weder Grenzen noch Geheimnisse mehr kennt, die kein geschlossener, irgendwie noch überschaubarer Kosmos mehr ist, wie es Europa in den frühen 70ern war.

Und so schaut diese heutige Welt distanzierter auf jene Welt, die hier ein Revival erlebt, wobei diese Distanz zu einem veränderten Kinoerlebnis führen dürfte im Vergleich zu damals. Damals hätte so ein Film wohl zum Primärbedarf an Kinounterhaltung gehört. Der Begriff dürfte heute anders gefüllt sein.

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