Blue Bayou

Hier ist der Autor und Regisseur auch der Hauptdarsteller, Justin Chon als Antonio LeBlanc und vertritt mit dem Film ein klares politisches Anliegen: auf eine unselige Abschiebepraxis in den USA aufmerksam zu machen.

Es geht um Koreaner, die als kleine Kinder in die USA adoptiert wurden, dort aufgewachsen, integriert, sozialisiert sind, die es aber aus irgendwelchen Gründen unterlassen haben, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu beantragen und die als Erwachsene in die Maschinerie der Behörden geraten und in das ihnen unbekannte Korea abgeschoben werden.

Es ist ein Thema, was in abgeänderter Form auch bei uns eine Rolle spielt und auch filmisch seinen Niederschlg gefunden hat wie in Toubab oder aus Schweizer Perspektive
Arada oder in Frankreich Unter den Sternen von Paris.

Im Film von Justin Chon mischen sich koreanische Kreativität und amerikanisches Kino, das ergibt ein intensives Gemisch, einen Sprung mitten ins Leben von Antonio, der mit Kathy (Alicia Vikander) zusammen ist. Sie wiederum bringt ein vifes Mädchen, Jessie (Sydney Kowalske), mit aus der Beziehung zum Polizisten Ace (Mark O’Brien), ziemlich klischeetypisch amerikanischer Weißer.

Kathy ist schwanger mit dem ersten Kind von Antonio. Beide Männer sind nicht ohne Fehl. Der Polizist hat die Mutter samt Kind einfach verlassen und jetzt wo das Mädel größer wird, beharrt er plötzlich darauf, es regelmäßig zu sehen, während Antonio ein herzliches Verhältnis zu ihr aufbaut oder zumindest auf ihren Wunsch einen Vater-Tochter-Tag einbaut, denn das Kind hat Angst, nach der Geburt des Schwesterchens zu kurz zu kommen.

Jessie führt den Vater in einen verwunschenen Park. Das ist nur eines der romantischen Sujets, das dem an sich harten Soziadram pittoresk weiche Züge verleiht, wie man es auch aus koreanischen Filmen kennt, zwischen Idylle und David Caspar Friedrich, aber dschungelhaft und Abendröte im Wasser gespiegelt.

Andererseits schreckt Justin Chon nicht davor zurück, immer wieder heftigen Regen prasseln zu lassen. Es werden die Gefühlswelten der Protagonisten strapaziert. Antonio, der Tätowierer und Motorradfreak wollte ein guter Mensch werden, nachdem er Vorstrafen wegen Motorradklaus erhalten hatte. Doch das Geld, das Geld.

Dann kommt die Geschichte mit der Abschiebung. Antonio sah sich selbstverständlich als ein Amerikaner und hatte offenbar keinen Grund, den Bürokram mit der Staatsbürgerschaft anzugehen. Die Abschiebedrohung bedeutet: Anwaltskosten und der Ex seiner Frau, der sich bemerkbar macht. Wobei es sich in so einem Film wie zwingend ergibt, dass der Polizist auch beruflich mit Antonio in Kontakt kommt.

Das Hin und Her in den Beziehungen wird sich bis zu schmerzlichen, auch herzzerreißenden Gefühlsszenen steigern, bevor im Abspann Einzelschicksale solch inhumaner Abschiebungen erwähnt werden, die politisch keinen Ertrag bringen.

Von der Erzählhaltung her erinnert mich der Film an Minari – wo wir Wurzeln schlagen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.