The Card Counter

Eberhofer auf Weltklasseniveau

Da ist eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen dem deutschen Provinzpolizisten Eberhofer aus den Rita-Falk-Verfilmungen und der Hauptfigur William Tell, den Oscar Isaac im Film von Paul Schrader darstellt. Dieses unbeteiligt, zwar nicht unbedingt Vorwurfsvolle, aber dieser Blick der zeigt, dass einer sich nicht verantwortlich fühlt für den Lauf der Dinge und es auch nicht im Sinn hat; dieses Verschlossene einerseits, aber, was hier dann doch mehr ist als beim Eberhofer, dieses ganz genaue Beobachten. Das kommt zum Vorschein, wenn Tell am Poker-Tisch sitzt. Es ist nicht das typische Pokerface. Vielleicht ist das auch sein Erfolgsgeheimnis. Er ist einer, der die Karten zählt und somit sich einen Vorteil gegenüber den anderen Spielern verschafft, und der sich das auch merken kann und entsprechend einsetzt.

Die Casinos mögen Kartenzähler nicht, erst recht nicht, wenn sie groß abräumen. Tell bleibt unauffällig, Tell will unterm Radar durch, wechselt häufig die Casinos.

Eine Macke scheint Tell zu haben, wie er die Motelzimmer (er wohnt nie in den Casinos), sofort umräumt. Auf die Idee muss man erst mal kommen. Aber das hat einen Hintergrund.

Es gibt zwei Figuren, die im Laufe des Filmes auf ihn zukommen. Erst der unentschieden und vielleicht verwahrlost wirkende Cirk Baufort, mit C, wie er insistent betont, also nicht Kirk, der Tell bei einem Vortrag auf einer Sicherheitsmesse anspricht. Tell habe etwas mit Cirks Vater gemein. Dieses Gemeinsame ist Ungeheuerliches, ein Schmerzpunkt in der neueren amerikanischen Geschichte. Ein Fakt, der die beiden in Richtung Revenge-Movie treiben könnte.

Und es gibt eine Frau, La Linda (Tiffany Haddish), die auf Tell, der, das verwundert längst nicht mehr, noch andere Namen hat, anspricht. Ihr ist sein unauffälliges Gewinnertum aufgefallen. Sie möchte ihn mit Investoren zusammenbringen, eine große Nummer aus ihm machen.

Cirk wird Tell eine Weile auf seiner Tour begleiten, er bekommt Spielgeld. Schrader schildert diese Figuren, ihr Zusammensein, ihr Unterwegssein meisterhaft und atemberaubend. Wobei die Story selbst etwas grobstichig zu Ende gebracht wird. Dabei hat das Kino des Paul Schrader den Zuschauer längst mehr als belohnt, diese Sicht auf Menschen, die einen inneren Motor haben, die verschiedene innere Motoren haben, was manchmal zusammengeht – und dann wiederum nicht; was dann wieder zur Einsamkeit führt. Und wie ein Mensch einem Gefängnisaufenthalt ganz wieder erwarten einiges abgewinnen kann.

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