The Alpinist

Wann ist ein Solo ein Solo?

Nur, wenn er ganz allein in den Bergen in Steilhängen und Schneerinnen oder gar an Eiszapfen unterwegs ist und garantiert nicht, wenn ein Dokuteam ihn begleitet, meint der introvertierte Protagonist dieses Filmes von Peter Mortimer und Nick Rosen. Diese sind eher zufällig auf den knapp 20-jährigen Kanadier Marc André Leclerc gestoßen. Der klettert nicht nur am liebsten allein, sondern auch ganz ohne Seil. Und ohne Handy und sowieso ohne Fotos und Posts in den Social Media und ganz unkommerziell. Weil es ihm Spaß macht, weil er ein inniges Verhältnis zum Berg entwickelt; darauf weist der Titelbegriff hin.

Aber Leclerc bleibt nicht unbeobachtet. Profikletterer entdecken ihn, wie er an einem bekannten Berg einen sensationellen Alleingang hinlegt. Aber Leclerc lässt sich auf keinen Wettbewerb ein.

Leclerc ist in dem nach immer neuen Sensationen gierenden Alpinisten-Zirkus eine Ausnahme, wie ein seltenes, scheues Reh. Er ist abseits vom großen Geschäft auch mit Filmen über diese Kletterer, die allesamt ein Business-Modell daraus machen, die die Protagonisten von Red Bull-Filmen sind.

Insofern ist auch dieser Film eine neue Sensation. Die mit wahrhaft atemberaubenden Bildern aufwarten kann; denn sie können Leclerc doch gewinnen, sich filmen zu lassen. Das verläuft nicht ohne Probleme. Plötzlich verschwindet er, bleibt für das Filmteam unauffindbar, weil ihm das doch nicht behagt, auch Fotosessions sind nicht sein Ding.

Leclerc ist von Natur aus eher zappelig veranlagt, Mutter erzählt von ADHS. Offenbar ist die Kletterei das heilende Gegenstück. Kaum ein Kletterer, der so besonnen, so mit Übersicht, so fokussiert seine Füße setzt, die Haken, den Fels greift, der ganz bei sich ist, hier hat er seine Ruhe, wenn er in einer Wand ist – mit einem innigen Verhältnis zum Gestein.

Leclerc liebt das befreite Klettern, das Abenteuer, das nicht monatelanger Vorbereitungen bedarf, bis auf eine Ausnahme in Patagonien. Er liebt das Klettern auf Sicht. Er trifft Bette, die ihn versteht, die auch eine Kletterin ist.

Am extremsten sind die Aufnahmen einer Winterkletterei in einer Mischung aus Fels und Eis (Iceclimbing), da muss er ständig die Schuhe wechseln. Es sind Extremerfahrungen, die sie nicht wären, wenn nicht der kleinste Fehler den Tod bedeuten könnte; aber nur dann kann von Abenteuer und Kunst gesprochen werden. Das ist aber auch, das trägt Reinhold Messmer bei, der Reiz des Kletterns. Wobei viele Unbekannte hinzukommen, das Wetter, Lawinen, Felsstürze.

Zwischendrin gibt es kurze historische Infos über den Alpinismus. Und wenn der Aufstieg gelungen ist, dann muss der Kletterer wieder runter vom Gipfel, auch das ist nicht immer harmlos. Wozu Leclerc immerhin bereit war: eine Solotour, die er erfolgreich absolviert hat, für das Kamerateam, das bestens mit Drohnen ausgerüstet ist und daher ganz nah an die gefährlichsten Stellen ran kann, zu wiederholen.

Schön ist die Antwort auf die Frage nach der Ernährung vor dem Klettern: eine feines Mahl, da es jedes Mal das letzte sein könnte.

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