Der Pfad

Altklugen Wohlstandsjungen Pyrenäen-Fluchtromanze
vor düsterem, zeitgeschichtlichen Hintergrund

„Der 35. Mai“ von Erich Kästner und der Hund Adi (zynische Hommage an Adolf Hitler), sowie eine Zahnpasta-Tube sind die elementarsten Dinge, auf die der präpubertäre Wohlstandpfropfen Rolf (Julius Weckauf) – „Bitte nicht küssen, dafür bin ich zu jung“ – auf keinen Fall verzichten möchte. Denn für die Flucht vor den Nazis aus Südfrankreich über die Pyrenäen nach Spanien dürfen er und sein Vater, der Journalist Ludwig Kirsch (Volker Bruch), nur das Allernotwendigste mitnehmen, sie müssen ihr Fluchtgepäck nochmal reduzieren; es würde ihnen nach Amerika nachgeschickt, wo die Mutter schon wartet.

Der Hund wird auf der Bergwanderung die Gruppe verraten. Vater wird von den Nazis abgeführt und verschwindet aus dem Film. Er wird noch zweimal aus einem Erinnerungsschrank aussteigen und zum Sohn sprechen. Der leidet offenbar nicht allzu sehr, denn die Spanierin Núria (Nonna Cardoner) weckt sein Interesse, beschäftigt ihn.

Núria spricht erstaunlich gut Deutsch für das Bisschen, was ihr in Südfrankreich beigebracht worden sei, damit sie Deutsche, die auf der Fahndungsliste stehen, sicher über die Grüne Grenze nach Spanien bringen kann. Immerhin kommt es zu einem heftigen Geplansche zwischen den beiden in einem Tümpel eines Flusses.

Generell ist der Bub gut drauf. Er ist ziemlich sorglos. Die Zahnpaste, die den Diamanten zur Finanzierung der Überfahrt nach Amerika enthält, trägt er nicht ständig bei sich auf dem Körper. Das führt dazu, dass er nach einem Feuerüberfall auf ein Lager in Spanien nochmal zurückkehren muss, um das Teil zu holen. Das ist lebensgefährlich. Wirkt aber nicht ganz so, denn der Film von Tobias Wiemann nach dem Drehbuch von Rüdiger Bertram und Jytte-Merle Böhmsen bleibt in den Nahaufnahmen hängen; die den Kammerspielcharakter betonen; das ist ein Kostenproblem bei historischen Filmen, aber es wird auch darauf verzichtet, den zeitgeschichtlichen Rahmen als empirisch nachvollziehbare Bedrohung einzusetzen.

Die Stimmung ist mehr auf Sommertrip, auf Rührgeschichte (immer mit dem Hund und dann später noch ein Stück Flucht der beiden Kinder auf einem schwarzen Pferd) und fugendicht zugedeckt mit einer allgemeinplätzigen Süßmusik, deren sich jeder Film bedienen kann, wenn er Wohlgefühl verbreiten will, was ab und an eher nervig wirkt in diesem schnittbehaglichen Movie.

Der Abspann zeigt, dass es sich nicht primär um einen Naziverarbeitungsfilm handelt, sondern der Film will daran erinnern, wieviele Kinder ständig weltweit auch heute auf der Flucht sind. Nicht alle dürften so wohlgenährt sein wie unser Protagonist. Nicht allzu viele davon dürften nach Wochen der Flucht noch so saubere und ganze Kleider tragen und sorglos ausschauen wie unser Protagonist. Insgesamt wirkt dieses Kino von Tobias Wiemann wohlmeinend bisslos, nett-süß.

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