Moonfall

„Scheiß drauf, ich zünde“,

das ist vielleicht der besondere Charme eines solch altromantischen Katastrophenfilmes, wie Roland Emmerich, der mit Spenser Cohen und Harald Kloser auch das Drehbuch geschrieben hat, einen Darsteller sagen lässt, dass Perfektionismus nicht mehr zählen kann, wenn es darum geht, die Welt zu retten.

Es ist das bewährte Schema, die Welt ist bedroht und einige mutige, waghalsige, nonkonformistische Helden machen sich auf den Weg, sie zu retten. Hier ist alles eine Nummer größer als auch schon. Hier sind es vorerst keine Aliens, es ist der Mond selber, der seine Umlaufbahn ändert und immer gefährlicher der Erde näher rückt.

Während sie im Pentagon schon das Atomarsenal zur Abwehr aktivieren wollen, kämpfen Halle Berry als Jo Fowler, Patrick Wilson als Brian Harper und John Bradley als KC Houseman mit einem Raumgefährt, das nie und nimmer durch den TüV käme, sich in Richtung Mond vor.

Bekannt ist bis dahin, dass es im Mond ein Loch gibt, aus dem gewisse Etwasse herausströmen, die für diese Bahnabweichungen wohl verantwortlich sind.

Parallel dazu gibt es die Verwandten der Helden auf Erden, Kinder, Exe, Gattinnen, Mütter, die versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Denn das ist das A und das O des Katastrophenfilmrezeptes, dass sich alles um die Familie dreht und Roland Emmerich der Altkatastrophenfilmmeister kennt das aus dem Effeff und setzt es entsprechend ein, ohne irgendwie das Genre erneuern oder aktualisieren zu können.

Die Geschichte hat eine Vorgeschichte. Harper und Fowler waren schon zehn Jahren früher gemeinsam im All; Reparatur einer Raumstation. Es gab da einen Unfall, der nie ganz geklärt werden konnte, wofür Harper verantwortlich gemacht worden ist. Das gibt zusätzlich Heldenpower, genauso wie für KC Houseman, den nie einer für voll genommen hat, nicht mal seine Mutter, dem als erstes die Abweichungen der Mondumlaufbahn aufgefallen sind und der überall auf taube Ohren stößt, besonders bei den Organisationen, die professionell sich mit Gefahrenabwehr dieses Kalibers beschäftigen.

In so einem Film wechseln sich wie Kadenzen die ruhigeren Phasen, die Einzelschicksale unter die Lupe nehmen, mit den heftigen Katastrophenszenarien, riesigen Tsunamis, Geschoßhagel aus dem Weltall aber auch ganz irdische Bedrohungen mit Pistole oder Verfolgungsjagd mit dem Auto. Und dann noch ein Vater-Sohn-Verhältnis, speziell das von Harper zu seinem Sohn Sunny (Charlie Plummer mit den eindrücklichen Augen).

Nicht nur Nobody, sondern auch so ein Katastrophenfilm ist perfekt. Genau das dürfte mit eine der Charme-Qualitäten sein. Es geht nicht um TüV- und lupenreine Logiken, es geht um die Show, um die Schaulust an der Katastrophe, auch wenn Emmerich hier den Bogen auf dem Mond dann nochmal extra weit spannt. Und das RDS, das Reizdarmsyndrom kann natürlich nicht als Ausrede gelten; im Zweifelsfall schalten wir in den Ludicrous Mode, in den Modus des Aberwitzes mit unseren Schrottraketen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.