Love, Sex and Pandemic

Da hilft nur noch ein Paragliding-Unfall,

um aus der unendlichen, qualvollen Spirale der Gegensätze von Gut und Böse, von romantischer Liebe und Sex, wie Patryk Vega, der mit Olaf Olszewski auch das Drehbuch geschrieben hat, sie hier beschreibt, herauszukommen. Vega liebt das Extrem und den Zusammenprall der Extreme. Das hat er schon in seinen vorherigen Filmen Petla und Pitbull-Exodus bewiesen. Wenn er vorher seine Faszination durch das Böse ausgelebt hat, so versucht er jetzt auch Wärme, Liebe reinzubringen in die menschlichen Verhältnisse, die er furios schildert. Eine Romantic Comedy wird nie daraus. Auch hier bleiben die Extreme extrem.

Bartek (Sebastian Dela) ist 24, hat noch nie eine Frau nackt gesehen oder berührt, lebt mit seinen fünf Schwestern und den Eltern zusammen, die strenge Zeugen Jehovas sind. Er wird zum Stripper mutieren und verdient bald viel Geld mit Sex. Damit unterstützt er ein Kinderheim christlicher Schwestern in Tansania. Nach dem großen Break im Film durch Covid, da sind die Straßen und Veduten Warschaus, die immer wieder als Bindeglieder zwischen den Geschichtssträngen hineinmontiert werden, menschenleer, wird Bartek geläutert eine Beziehung zu Roksana (Weronika Lesiak) anfangen. Aber auch das ist nur die eine Seite der Medaille.

Die in öder Eher verheiratete Staatsanwältin Olga, eine patriotisch-polnische Rassistin, wird vom Ägypter Baha (Leonardo Marques), einem Poeten, angemacht. Sie erlebt Liebesglück pur. Aber auch das ist nur die eine Phase.

Kaja (Anna Mucha) arbeitet bei einem People-Magazin, versteht es über entblößende Berichte Leute fertig zu machen. Das trifft Johny (Dawid Czyprynski), der Männern und Frauen die Freiheit im Umgang mit Sex beibringen will. Sie arbeitet mit allen ausgebufften Mitteln.

Die Fotografin Nora (Malgorzata Rozenek) verliebt sich in ihr Model Alf (Wojciech Sikora), ködert ihn mit dem Zugang zu einer Schauspielerkarriere. Auch die wird ihren Preis haben. Diese Geschichte bringt großartige Schwarz-Weiß-Fotos hervor.

Manchmal entsteht der Eindruck, primär gehe es dem Regisseur darum, krass um der Krassheit willen zu zeigen, um entsprechend lustvoll in den Bildern dazu zu schwelgen.

Das mit dem Glück ist ein riesiges Wunschbusiness, an dem alle verdienen wollen, die Fotografen, die Nutten, die Stripper, die Klatschkolumnisten, die Sexgurus.

Ein Stück weit könnte dieser polnische Film als die harte Antwort auf den deutschen Film Wunderschön https://www.filmjournalisten.de/2022/02/03/wunderschoen/ gelesen werden. Oder auch zu Nanni Morettis „Drei Etagen“, der im März ins Kino kommt.

Es ist ein Film, der den Dingen auf den Grund geht, der sie schonungslos schildern möchte. Vielleicht war es zu viel, gleich vier Geschichten in einander zu verweben, wo jede für sich schon genügend abendfüllenden Stoff hergibt; momentweise empfand ich eine gewisse Verzettelung in den Geschichtssträngen; das Prinzip der Achterbahn des Lebens vor dem Hintergrund von des Menschen Einsamkeit, was hier explizit geschildert wird, könnte auch an weniger Geschichte herausgearbeitet werden, vielleicht sogar ein- und nachdrücklicher.

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