Am Golde hängt, zum Golde drängt
Es sind zwei bemerkenswerte Figuren, Aljona aus der Ukraine und Brüno, wie er ausgesprochen wird, aus Frankreich. Ihr Goldtanz für Deutschland bei der Olympiade in Südkorea 2018 war Harmonie in Perfektion, von schwindelerregender und atemberaubender Präzision und Teamwork. Wer sich für Sport und Eiskunstlauf und die inzwischen fragwürdige Veranstaltung Olympische Spiele interessiert, der weiß das.
Aber Gerhard Schick, der mit Carl-Ludwig Rettinger auch das Buch zu dieser Doku geschrieben hat, tut so, als wende er sich an Sportbanausen, die davon nie gehört haben. Er baut den Film so auf, dass bis zuletzt nicht klar wird, ob die beiden Eisläufer ihr Gold erlangen oder nicht.
Dummerweise aber konstruiert Schick die Dokumentation rein insiderisch, wendet sich also ans Fachpublikum: Pirouetten über Pirouetten, Eisfläche über Eisfläche, Talking-Head über Talking-Head, Archiv-Footage, Landscape-Footage, alles für den Nichtfachmann schwer andockbar. Warum soll er, speziell wenn er Deutscher ist, sich für eine ehrgeizige Eiskunstläuferin aus der Ukraine, die eine bemerkenswerte Person ist, interessieren, warum für einen etwas weniger ehrgeizigen, dafür jovialen und sympathischen Franzosen? Und warum setzen ausgerechnet die sich den Olympia-Traum in den Kopf?
Es fehlt der Andockpunkt in der Dokumentation. Sie ist eine wilde Materialsammlung grosso modo in chronologischer Reihenfolge, aber auch nicht immer. Es ist eine Sendung, die bestenfalls geeignet ist für einen kommerziellen Sportsender – und wimmelt dazu von ätzenden Sportkommentaren.
Der Film wirkt wie ein extrem beliebiger Bilderverhau und sie drehen sich und drehen sich und drehen sich, mal mit dem Partner, mal mit einem anderen und dazwischen Sportjournalistengelabere in willkürlicher Reihenfolge und dann noch irgend Bilder aus der Ukraine oder der Normandie oder aus den Alpen, Miami, Oberstorf, das Innere von Eishallen und immer wieder Pirouetten und Üben und Auftreten – und viel, viel Sendezeitschinderei.
Rätselhaft, wieso BR-Redakteurin Petra Felber das dem Publikum zumutet, so einen hirnlosen Bildermischmasch. Und olympischen Flammen aus Sotchi, aus Korea.
Der Film kann allenfalls bei der finalen Kür die Faszination des Eispaartanzes vermitteln und da vor allem auch nur wegen der Stürze der Konkurrenten. So eine Sendung hätte sich der BR sparen können, das sie ja sparen müssen. Solche Sendungen braucht der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht, solche billig und schnell zusammengeschusterten Dokus. Und schon gar nicht die penetrante Bandenwerbung; da könnte man ja bei einer Doku etwas wählerisch vorgehen. Also doppelt verzichtbar. Wie kann man so eine vermutlich spannende Geschichte nur so langweilig erzählen.
Eine Schwachstromdoku, verquast erzählt. Die Insider wissen von Anfang an, dass Bruno und die Ukrainerin gewinnen werden. Die Nicht-Insider haben bis dahin längst weggezappt, die halten sich nicht für Dummbatzen.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!