Spiel mit dem Feuer – Wer braucht noch solche Spiele?

JACK-WOLFSKIN-Werbesendung der ARD

Immerhin, Hauptsendezeit ARD, einige Minuten über die Uiguren, einige Sekunden über Hongkong und Tibet. Und schätzungsweise ebenso viel Sendezeit für die ausgebufften PR-Profis der Familie Neureuther-Mittermeier (tja, da fängts halt an – siehe Lebenslinien-Review von stefe) – das ist so ein klein bisschen megaoberpeinlich.

Sohn Felix hats gelernt. Er ist Reporter bei der ARD (da müsste er eigentlich über Schleichwerbung Bescheid wissen) und führt durch diese Olympia-Magazin-Sendung von Nick Glücke und Robert Grantner. Felix Neureuther kann von seiner Jack-Wolfskin-Mütze mit dem Markenzeichen lange nicht lassen, und dreht einmal den Kopf noch extra nach rechts, damit der Namenszug explizit zur Geltung kommt. Minute 3.31: Voice-over: „Für uns Sportler ist Olympia das Größte“ und in diesem Augenblick rückt Felix die Jack-Wolfskin-Werbung auf der Mütze durch eine leichte Kopfdrehung nach rechts wie eine Pointe ins Bild, so als ob im Untertext stehe: „aber das Allergrößte sind für uns die Werbegelder“. Soll mir keiner erzählen, das sei Zufall oder Ungeschick. Das wird sich für Felix auszahlen. Ihm dürfte bald ein Scheck ins Haus flattern. Er wolle aber, so ein Gerücht, wie es sich für einen ehrlichen Menschen und der ein Vorbild sein wolle, gehört, einen Teil davon an die ARD spenden, auch ganz ohne Rüge durch den Rundfunkrat.

Das zeigt auch das Grundproblem des Sportes heutzutage: ohne Sponsoren kommt er nicht aus. Allein wieviel Markenwerbung bewusst oder unbewusst in so eine Sendung über Profisport hineingelangt, weil die überall ihre Pickerl tragen und die Bandenwerbung. Wahrscheinlich hocken nachher Marketingexperten von so und so viel Produkten am Bildschirm und stoppen die Sekunden, die ihr Markennamen zu lesen war.

Die Sendung gelangt zur Feststellung, dass die Olympiade verkommen ist; das sei auch der Grund, warum in den freien Demokratien niemand mehr die Veranstaltung will. Das IOC ist eine private Organisation mit Sitz in Lausanne, die Milliarden einnimmt, die Gewinne behält und die Verluste sozialisiert, so erklärt es Ex-Generaldirektor Lacotte: ein Kitsch, der Milliarden wert sei.

Der Herr Dubi vom IOC ist absolut unbelehrbar; er blendet die politische Realität in den Veranstaltungsländern vollkommen aus; aber nicht nur ihm, auch dem Publikum sollte die ARD deutlicher klar machen, dass eine Olympiade in einer Diktatur ein reines Propagandaspektakel ist, das der direkten Vertuschung von Unrechtstaten dient, der Übertönung, der Ablenkung. Dabei könnte auf das Propagandaspektakel in Berlin von 1936 hingewiesen werden und die üblen Folgen. Die ARD muss mutiger werden. Zu verlieren hat sie gar nichts. Schon gar nicht die garantierten Gebühren, die explizit und primär dem Demokratiegedanken gelten; auch ein Milliardenhaufen.

Ob Felix Neureuther sich einmal versucht hat, klar zu machen, wie unfair die Rundfunkzwangsgebühr, von der er zu den Werbegeldern noch eine schöne Gage bezieht, zu Lasten einkommensschwacher Haushalte erhoben wird; er dürfte sich kaum gefragt haben, wie viele Haushalte Mühe haben, vom kargen Budget noch die Rundfunkzwangsgebühr abzuknapsen.

Vielleicht hat der zuständige Fernsehredakteur oder die zuständige Fernsehredaketeurin grad die Krätze gehabt, als er oder sie dieser Sendung das „Gut zur Ausstrahlung“ erteilt hat.

Gelbe Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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