Are You Lonesome Tonight?

Chinesisch Noir

Dieser Film aus China füttert einen in den ersten Minuten mit folgenden Informationen: ein Rind, was sich losreißt und später auf einem öffentliche Platz hockt, die Jahreszahl 1997, ein Gefängnis mit einer Männerstimme, die summt, mehreren Gefangenengesichtern und der Erkenntnis, dass man immer gefragt werde, warum man hier sei und es am Schluss nicht mehr wisse, mit einem Aquarium mit einem toten Fisch und mit einem Autofahrer, der wohl einen Zusammenstoß mit einer Frau hat und bockig wegfährt.

Dann kommt die Frage aus dem Titel, ob man einsam sei heute Abend. Nach dem Titel hängt eine Frau auf einer Brücke eine Vermisstennotiz auf und erstattet eine Vermisstenanzeige. Es geht weiter mit den Informationshäppchen. Die Frau identifiziert einen Toten als den Vermissten. Sie braucht einen Installateur wegen der Klimaanlage. Dieser ist wohl der Autofahrer, der zurückfährt zur überfahrenen Frau.

Die Musik ist hochkünstlerisch und modern amelodisch.

Männer sitzen in der Gefängniszelle. Jungs und Männer in Badehosen an einem Pool. Installateur erpresst Zigarette und Feuerzeug von Minderjährigem. Geht mit Kleidern ins Wasser und fischt die Vermisstenanzeige, die dort als Papierfleugzeug von einem Jungen hingeworfen wurde. Er möchte sich stellen. Seine Freundin oder Frau weiß bei ihm nie, was los ist. Er möchte einen Fundgegenstand jemandem zurückgeben.

Der Film von Shipei Wen, der mit Noé Dodson und Yinuo Wang auch das Drehbuch geschrieben hat, beweist perfekte filmhandwerkliche Fertigkeiten, spielt furios mit den Mitteln des Film Noir und dieser schwer fassbaren Beziehung zwischen zwei Menschen, wo praktisch gar nichts ausgesprochen wird.

Wang gerät jedenfalls in düsterere Geheimnisse, während er sich der Witwe nähert und mit dem Toten beschäftigt. Er findet einen Schließfachschlüssel. Im Fach liegt eine Tasche mit viel Geld. Es sind die altbekannten Elemente des Kriminalfilmes mit dunklen Gassen und Figuren, mit Waffen und heimlichen Beobachtungen, mit Schüssen und Totschlag, in die er hineingerät.

Die Rahmenhandlung beginnt im Gefängnis, sie zirkelt im Hirn mit der Erkenntnis, dass der Gefangene am Schluss seiner Gefangenschaft nicht mehr weiß, weshalb er hier gesessen hat, dass er faktisch sich nicht mehr erklären kann, wie es dazu gekommen ist, wie er sich in diese Sache hat hineinziehen lassen.

Eine vielschichtig farbige Improvisation zum Film Noir, der wie ein Protokollfilm anfängt, bei dem man erst mal die Szenenangebote protokollarisch zur Kenntnis nehmen kann und den Zusammenhang noch suchen muss.

Ein Verwirrspiel um zwei einsame Figuren, um Liang (Sylvia Chang) und Wang (Eddie Peng) mit der Narbe auf der Nase und der glaubt, den Mann von Liang überfahren zu haben. Das improvisatorische Umkreisen dessen, der sich für schuldig hält und der Hinterbliebenen des Opfers. Wang soll bei Liang die Klimaanlage reparieren. Derweil fällt der Verein der penetranten Nachbarinnen über die Trauernde her und trampelt fast die Wohnung nieder.

Kreativ auf der Tonspur vom Orchester über den Schlager bis zum Ein- und Ausbau von Alltagsgeräuschen, Maschinen, Motoren oder Regen.

Den ironischen Tupfer über die filmschöne Veranstaltung setzt die Band, die auf Englisch den Schlager mit dem Titel des Filmes singt.

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