Monobloc

Aus dem Granulat gefischt

Der Protagonist dieses Doku-Versuches von Hauke Wendler für den NDR, ist ein Stuhl, ein weltweit bekannter Plastikstuhl, der Monobloc, den es überall auf der Welt gibt, am zahlreichsten in ärmeren Gegenden.

Es ist ein in einem Block gegossenes Möbel, für das es kein Patent gibt, das in weniger als einer Minute von einer effizienten Maschine gegossen werden kann und das im günstigen Fall weniger als zwei Kilo schwer ist. Was aber auch schnell wieder kaputt geht.

In einer einführenden Szene, das ist ganz sympathisch, stellt Wendler sein Projekt vor, gibt auch einen Blick hinter die Kulissen, wie sein Team das gewisse Möbelstück filmisch vorstellt, samt diesem blattlosen Buschbüschel, was durch das Bild geblasen wird wie im klassischen Western. Das war vielleicht einmal sein Traum vom Kino. Es sollte anders kommen.

Die einzelnen Kapitel trennt der Dokumentarist durch relativ langes Schwarzbild, womit mit wenig Aufwand Sekunden zu gewinnen sind. Schließlich geht es auch bei der Herstellung um Sekunden. Allein in der Zeit, die sein Film auf Schwarzbild verwendet, hätten einige Monoblocs industriell hergestellt werden können.

Wie der Dokumentarist auf die Idee gekommen ist, diesem Möbel einen Film zu widmen, ist nicht ganz klar. Auch wirkt die Suche nach einem Leitfaden wie der zufällige Griff in eine Kiste mit Granulat, um bei dem Material zu bleiben. Aus solchem Granulat werden diese Stühle gemacht und sind deshalb prima fürs Recycling geeignet, falls das Material nicht irgendwo auf dem Meeresboden landet und anderswie in den Kreislauf – schwer abbaubar – der Natur zurückfindet.

Ein entscheidender Reiz fürs Dokumentieren scheint für Wendler das Reisen zu sein. Er konnte es so hindrehen, dass er im Rahmen des Filmes nicht nur nach Italien, Frankreich, sondern auch in die USA, nach Brasilien, nach Uganda und Indien reisen musste. Das gibt das Allerweltsthema alleweil her.

So fallen hin und wieder Aufnahmen von Flughäfen von ihm und seinem Team ab. Auch in dieser Filmzeit, die dem Thema nichts zuträgt, hätten wieder jede Menge Monoblocs industriell hergestellt werden können. In den Flughäfen sitzt das Team nicht auf Monoblocs.

Ein Amerikaner hat aus Monoblocs Rollstühle für Arme in Afrika hergestellt. Die findet das Dokuteam in Uganda. In Indien können gewisse Schichten nur auf Stühlen sitzen, weil es die billigen Monoblocs gibt. In Brasilien sammelt eine alte Frau Müll und verdient mit wiederverwertbarem Plastik ein Geld.

Die Sicht aus diesen Zweit- und Drittweltländern für den europäischen Konsumenten sind immer ungeteerte Straßen und ärmliche Verhältnisse. Vorher schon hat der Dokumentarist in Italien bei einem großen Produzenten vorbeigeschaut. Das Design-Thema wird flüchtig bei einem Besuch in einem Design-Museum gestreift. Auch die Musik über dem Film erzählt davon, dass hier nicht so klar ist, wie lustig oder wie ernst und wie zielbewusst mit dem brüchigen und biegbaren Stoff umgegangen wird.

Über die Recyclebarkeit dieses Filmes ist mir nichts bekannt. Sein ökologischer Fußabdruck steht in keinem Verhältnis zum Erkenntnisgewinn; dieser wäre genau so gut aus dem Internet zu erlangen.

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