Jud Süß 2.0 – Vom NS- zum Onlineantisemitismus (ARTE, Dienstag, 25. Januar 2022, 22.40)

Lang tradierte Vorurteilsbilder

waren es, die die Nazis im Hinblick auf Diskriminierung und Vernichtung der Juden eingesetzt haben und die jetzt wieder in modifizierter Form vor allem im Internet in rechtsextremen Foren auftauchen. Das könnte vielleicht als der Leitfaden dieser öffentlich-rechtlichen Fernsehdokumentation von Felix Moeller gesehen werden.

Es ist eine Dokumentation, die der heutigen geistigen Wirklichkeit vieler Menschen Rechnung trägt, die abgründige Blicke ins Internet wirft, wo Vorurteile und Hass am leichtesten und am ungeniertesten sich tummeln, wenn sie auch ab und an wieder gelöscht werden.

Es ist eine Dokumentation im Mix aus Blicken auf den Bildschirm, die Suchmaschinen und Videokanäle, dazwischen berufene Talking-Heads, Wissenschaftler, Medienforscher, Antisemitismusforscher, Archivare, Medienkünstler und Archivfootage sowie Ausschnitte aus Nazipropagandailmen, Hitler geht immer.

Es gibt die Info aus dem Murnau-Archiv mit 700 Spielfilmen aus der Nazizeit, wobei 44 Filme im Giftschrank sind unter dem Titel „Vorbehaltsfilme“, die nur betreut gezeigt werden dürfen, weil die Angst besteht, dass sie ihre Propagandawirkung auch heute noch entfalten, dazu gehört „Jud Süß“ von Veit Harlan.

Derweil laufen die bekannten antisemitischen Memes überall im Internet frei herum im Sinne eines neuen Antisemitismus, der noch an Stärke gewonnen hat seit den Pandemierestriktionen.

Am meisten hat es Klick gemacht, wenn solche Meme in direkter Abfolge gezeigt werden zum Beispiel aus dem Film „Jud Süß“, die in die Stadt einwandernden Juden und direkt anschließend Ausschnitte aus einer Wahlwerbung für Orban in Ungarn mit ähnlich einwandernden Migranten. Oder wenn Ausschnitte einer Rede von Björn Höcke in direkte Linie zum Nazi-Antisemitismus gesetzt werden zum als gefährlich und negative herausgestellten Kosmopolitismus der Juden aus werden aus einem Propagandafilm.

Das wäre vielleicht die stärkste Waffe, die härteste Kritik im Hinblick auf den aktuellen Antisemitismus und man könnte es wahrscheinlich kommentarlos sich trauen: aufzuzeigen, auf welch ausgleierten Gleisen er daherkommt, die Linie der Meme aufzuzeigen, wie sich manche pauschalisierenden Charakterisierungen des Judenbildes durch die Jahre und Jahrhunderte ziehen und wie sie haargenau heute wieder im Sinne von Stimmungsmache eingesetzt werden –.

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