Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?

Diese Trottel haben noch nie einen Raben gesehen, dachte Guia A., doch ließ er sich nichts anmerken“. Reso Cheishvili „Guia A“.

Picture of Kutaissi.

Eine Liebeserklärung an die Stadt Kutaissi und ihre Menschen, Tiere und Geister, den Fußball und die Straßenhunde, den Fluss und die Kunst ist diese semidokumentarische Bildmontage von Alexandre Koberidze, der mit der Musik starke Akzente setzt, ja diese aktiv mitagieren lässt, allemal.

Wie ein Bilderkonzert wirkt das Kunstwerk, das sein Footage aus dieser georgischen Stadt sich beschafft.

Vielleicht ist es das Geheimnis dieses geheimnisvollen Filmes, dass er sich nie festbinden lässt, dass er nie stur an einem Bild, an einem Topos bleibt. Dass er wohl immer wieder zum Himmel guckt, im Sinne des Loslassens und dann wieder ganz frisch und neu Sehens.

Alexandre Koberidze präsentiert seine Bilderstrecke, bei der es immer wieder Inszeniertes gibt, nicht triumphal, er präsentiert sie so, indem er seinem Zuschauer die Chance bietet, sich diesen Bildern zuzuwenden, sich von ihnen beeindrucken, entführen zu lassen.

Koberidze arbeitet viel mit Details. Es ist also kein Erklär- oder Vollständigkeitskino. Es ist eher ein Anschubkino, fast ein Puzzlekino, bei dem der Zuschauer sich die anderen Teile selber denken oder hochrechnen kann.

Die Stadt ist fußballbegeistert. Es gab Zeiten, da konnte man Fernsehübertagungen nur an zwei Orten schauen. Da gehen auch die Straßenhunde hin, die liebevoll mit Namen belegt werden. Es ist kein Narrativ im Sinne des, es war einmal, sondern eine Bilderzustammenstellung fast wie mit einem Insektenauge.

Dabei glitzert und funkelt immer wieder auf die Liebesgeschichte von Lisa und Giorig. Über der lag anfangs ein Fluch. Sie treffen sich auffällig oft zufällig.

Im zweiten Teil des Filmes will die Filmemacherin Ana ein Foto von dem Paar machen. Dann kann der Film lange mit Zeitlupenaufnahmen von kickenden Kindern, Mädchen und Jungs, auf dem Bolzplatz verweilen; dieses Kino hat eine gewisse Experimentierfreude und wohl kaum Voreingenommenheit. Es interessiert sich genau so für Einzelheiten aus Innenräumen, für Schulkinder, die aus der Schule strömen, für einen, der mit einem im öffentlichen Raum aufstellbaren Reck etwas Geld verdient, für poetische Ausschnitte aus der Realität genau so wie für einen Fußball, der in den Fluss gekickt wird und sich in Strudeln verfängt. Das erweckt zeitweilig den Eindruck von Absurdistan.

Kutaissi ist ergiebig, herausgekommen ist ein nicht eine Sekunde langweilendes Epos von zweieinhalb Stunden über eine kleine Stadt voller Wunder, voll von Wahrscheinlichem und Unwahrscheinlichem. Bestimmt wird der Charme des Filmes auch von der wunderschönen, rund geschwungenen georgischen Schrift aus Zwischentiteln. Stimmig sinnliche Kinokomposition. Und dann die Episode, bei der Kameraassistent Lado den Film durcheinanderbringt. Argentinien wurde Weltmeister.

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