Effigie – Das Gift und die Stadt

Bremer Lokalhistorie

In Bremen gab es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Giftmischerin, Gesche Gottfried, die mit Mäusebutter eine Anzahl Menschen umgebracht hat. Dieses Stück Lokalhistorie hat Peer Meter zu einem Bühnenstück „Die Verhöre der Gesche Gottfried“ gestaltet. Jetzt hat er zusammen mit Regisseur Udo Flohr und Antonia Roeller das Drehbuch nach seinem eigenen Bühnenstück geschrieben.

Im Film gibt es eine Rahmengeschichte, die davon handelt, Zeit der frühen Industrialisierung, ob Bremen besser eine Eisenbahnlinie nach Bremerhaven baue oder ob sie den Fluss ständig für die Schifffahrt ausbaggern wollen. Da war noch nicht so klar, welche Transportform gewinnen würde.

Die Massenmörderin-Geschichte selbst wird von der Ich-Erzählerin Cato Böhmer (Elisa Thiemann) berichtet; wird aber nicht als subjektive Heldengeschichte ausgearbeitet, sondern im Sinne einer historischen Rekonstruktion ‚objektivistisch‘ nacherzählt.

Frau Böhmer kommt aus Göttingen und möchte sich als Gerichtsprotokollantin anstellen lassen. Irritation beim Gericht, denn der Herr, der sie eingestellt hat, ist kurzfristig nach Brasilien abgereist. Aber sie wird akzeptiert. Sie repräsentiert ein Stück weiblicher Emanzipationsgeschichte. Sie ist besonders wach und beschlagen, sie weiß, was sie darf, was nicht und wann ein Protokoll gerichtsnotorisch ist.

Cato Böhmer kommt mit dem Fall Gesche Gottfried (Suzan Anbeh) in Berührung, ja der Fall beschlagnahmt sie direkt, denn sie entwickelt eine enge Beziehung zu der Massenmörderin. Diese erhält sogar, weil sie um ihre Leben fürchtet, eine angenehm ausstaffierte Zelle im Gerichtshaus zugewiesen und wird versorgt. Derweil bringt sie kalt weitere Menschen unter die Erde.

Es gibt detaillierte Erörterungen darüber, wie so ein Arsen-Mord nachgewiesen werden könne. Es ist ein Kostümstück und so weit vorhanden, wird auch in historischen Räumlichkeiten gespielt. Dass es sich um die Verfilmung eines Theaterstückes handelt, ist nicht zu verleugnen, trägt positiv zur strukturierten Klarheit bei. Auf der Tonspur spielt das Prager philharmonische Orchester angenehm tragende Sound-Wolken ein.

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