Gloria Mundi – Rückkehr nach Marseille

All der Glanz der Welt,

all der Ruhm der Welt, all die Hoffnung der Welt, die sind in diesem französischen Themenfilm von Robert Guédiguian (Das Haus am Meer, Der Schnee am Kilimandscharo), der mit Serge Valletti auch das Drehbuch geschrieben hat, so ziemlich das Gegenteil von glanzvoll, hoffnungsvoll, ruhmvoll.

Die Anfangsszene ist dem Photographen Artavazd Pelechian gewidmet. Es ist die positive These in dem Film. Die Geburt eines gesunden Mädchens, Gloria! Es ist die Tochter von Mathilda (Anais Demoustier) und Nicolas (Robinson Stévenin). Die strahlenden glücklichen Familienbilder, Hoffnung pur, Glück pur.

Der Film schaut sich in den familiären Verhältnissen weiter um. Bruno arbeitet als feiner Uber-Limousinen-Fahrer, wird bald schon arbeitsunfähig zusammengeschlagen. Mathilde arbeitet als Verkäuferin in der Kleiderabteilung eines Supermarktes mit doofer Chefin. Finanziell wird die Situation prekär, wie Bruno nicht mehr arbeiten kann, sein Arm ist im Gips. Das ist so eine Story, wie er versucht, eine Beamtin davon zu überzeugen, dass er trotzdem arbeitsfähig sei.

Die Mutter von Mathilda ist Sylvie (Ariane Ascaride). Sie lebt mit ihrem zweiten Lebensgefährten zusammen, mit Richard (Jean-Pierre Darroussin). Der ist Busfahrer, wird aber beim Telefonieren mit dem Handy erwischt.

Der erste Lebensgefährte von Sylvie kommt nach 20 Jahren aus dem Knast in Rennes und taucht bei Sylvie in Marseille auf. Das ist Daniel (Gérard Meylan), der im Gefängnis die Kunst des Haiku erlernt hat, wodurch in die einfache Prolowelt abgetaucht und ab und an ein literarisches Blümchen eingeflochten wird.

Die Schwester von Mathilda, das ist Aurore (Lola Naymark). Sie lebt mit Bruno (Grégoire Leprince-Ringuet) zusammen. Die beiden betreiben nach harten Geschäftsprinzipien einen Laden, in welchem sie gebrauchte Gegenstände an- und verkaufen.

Das Drehbuch konstruiert alle Menschen so, dass sie kaum Spielraum für Glück haben. Was nicht heißt, dass nicht gefickt wird. Und zwar nicht so, wie die offiziellen Verhältnisse sind.

Guédiguian liefert einmal mehr präzise, hautnahe Milieustudien aus den sozial unteren Verhältnissen, aus den sozialen Randgebieten, von den Menschen, für die das Leben wie ein Hamsterrad ist, sie schuften und schuften und kommen auf keinen grünen Zweig.

Die Enge ihrer Verhältnisse verführt sie vielmehr dazu, mit nicht lauteren Mitteln sich durchzuwurschteln mit unerfreulichen Folgen. Und mittendrin wächst die große Hoffnung, das Mädchen Gloria heran, das Ende des Filmes immer noch ein Säugling ist, für den niemand so richtig Zeit hat. Wie ernst das alles ist, untermalt immer wieder ruhige, gedämpft-getragen klassische Musik, dem Soziodram angemessen Rechnung tragend.

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