The 355

Agentinnenthriller

Es ist ja nicht das Schema, was den Agententhriller als solchen spannend macht. Das ist immer dasselbe. Es gibt ein Gerät, eine Waffe, mit der die ganze Welt zerstört werden kann. Hier ist es ein schäbig aussehendes Teil wie ein altmodisches, abgenutztes Smartphone. Damit kann derjenige, der Zugang dazu hat, sich in jedweden geschlossenen elektronischen Kreislauf einhacken und die Herrschaft darüber übernehmen. Das wird hier im Film am Beispiel des gezielten Absturzes eines Verkehrsflugzeuges demonstriert. Veranlasst und beobachtet wird das 150 Kilometer südlich von Bogota.

Dieses technische Macht- und Wundergerät befindet sich anfangs eines Agententhrillers immer in der Hand des Erfinders oder eines misanthropen Bösewichts, der damit die Welt zerstören oder wenigstens erpressen will. Oder es soll gegen viel Geld in die Hand eines anderen Bösewichtes mit genau so wenig lauteren Absichten wechseln.

Hinter so einem gefährlichen Objekt ist der Geheimdienst her, mindestens ein Geheimdienst, hier im Film sind es mehrere, der CIA, der MI6 und der BND, um an das Teil zu kommen im Sinne der Rettung der Menschheit.

Da diese Geheimdienste so erstklassig mit Überwachungssystemen ausgestattet sind, wissen sie meist auch, wo sich das begehrte Teil gerade befindet, in welch gefährlichen Händen. Somit kommen wir zum Unique Selling Point dieses Filmes von Simon Kinberg, der mit Theresa Rebeck und Bek Smith auch das Drehbuch geschrieben hat.

Hier sind es drei Agentinnen, von den erwähnten Geheimdiensten, hinzu kommt eine, die behauptet Psychologin zu sein. Und, um diese Exklusivität zu toppen, sind die Darstellerinnen dieser Agentinnen veritable Stars des Weltkinos, es sind dies Jessica Chastain, Diane Kruger, Penélope Cruz, Lupita Nyong’o und, um den chinesischen Anteil an der Produktion zu bedienen, die am perfektesten geschminkte von allen: Bingbin Fan. Ein seltener Darstellerinnenpower.

Als weiteres I-Tüpfelchen auf diesem I-Tüpfelchen, fungieren diese Weltstars auch noch als Produzentinnen, sie haben also ein Mitspracherecht. Vielleicht sind diesem Umstand einige Sonderheiten des Filmes zu verdanken: dass Agentinnen ab und an aufwändig in Handtaschen wühlen, dass eine im langen, bunt getupften Kleid durch Straßen und U-Bahnschächte von Paris hinter einer anderen Agentin her rennt, dass ein verschmutztes Hemd thematisiert wird, dass die Agentinnen sich über ihr „erstes Mal“ – des Tötens! – unterhalten, dass eine Verwundung aus einer Szene mit Akribie, um dem Postulat der Continuity Genüge zu tun, noch einige Szenen weitergeführt wird und vielleicht ist es auch diesem Umstand zu verdanken, dass Melo-Momente Platz finden in dem Film, dass Agentinnen Gefühle zeigen dürfen, mithin auch Tränen oder dass reflektiert wird, dass eine Furchtbares erlebt habe.

Wie dem auch sein, in China findet der Film zu einem actiongeladenen, rasanten Count-Down und für den zwielichtigen Agenten von Frauenverführer Nick (Sebastian Stan) haben die Weltklassefrauen eine ganz besondere Gemeinheit parat, wie um sich für die im Agentengenre oft eingeschränkten Auftrittsmöglichkeiten schadlos zu halten.

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