Gernstl unterwegs zum Matterhorn – Vom Furkapass nach Zermatt (BR, Samstag, 1. Januar 2022, 18.45 Uhr)

Müde geworden schleppt sich

Franz Xaver Gernstl durch seinen Austrag beim BR, ehrlich erworbene Pfründe, und begegnet im Wallis einem Lebensentwurf, der seinen eigenen relativiert, der Trödler, der stundenlang nur vor seinem Laden sitzt und nichts verkauft, wie er sagt, denn die Leute kaufen selber, sie gehen in den Laden, kommen heraus mit der Ware und bezahlen; immerhin schaut hier für den Schnorrer ein alter Schweizer Armeesäbel heraus, den er auch annimmt. Aber sonst schaut das Fernsehdenkmal grimmig säuerlich in den Mundwinkeln mit einem Restfunken Neugier, ob hier einer doch einen schlaueren Lebensentwurf gefunden habe als er selber.

Die Trödlerexistenz ist dann doch weniger anstrengend als mit einem VW-Bus und zwei Mitarbeitern wieder eine neue Reiseroute planen (redaktionelle Mitarbeit Nicole Joan Islinger), Hotelübernachtungen buchen und dann auf die Pirsch gehen, meist im Hintergrund schon abgesprochen; auch das Warten kann mühsam sein, dafür ist Gernstl nicht gemacht, mit einer Jägerin im Bergwald zu sitzen und hoffen, dass ein Wild sich zeigt, da hat er seine Zunge nicht im Zaum und das Wild umso mehr einen sicheren Instinkt, sich nicht vor den Gernstl-Karren spannen zu lassen.

Immerhin, auf dem Furkapass gibt es was zu knabbern und man kann für ein originelles Produkt werben, den patentierten Matterhornkäse.

Das muss man dem Gernstl lassen, er begegnet dann doch wieder überraschenden Lebensentwürfen auch außerhalb der Produktpräsentation, die deutlich spannender sind als diejenigen ätzender Promi-PR-Lebenslinien wie über Sabine Sauer oder krampfiges Frauenkabarett vom BR, dagegen ist die Schwarznasenschäferin in der Nähe des Matterhornes ein wahrer Jungbrunnen. Sie war Lehrerin, hat Kunst studiert und führt jetzt ein freies Leben im Einklang mit sich, der Natur und ihrem französischen Schäferfreund; ein Leben, das sich aus den Mühlen des Broterwerbes befreit hat und jetzt zwischen Kite-Surfen und Schafhirterei pendelt.

Der Besuch bei Air Zermatt bringt allerdings keine Einladung zum Rundflug, worauf der Gernstl spekuliert haben dürfte; so aber kann er sich als ordentlicher Zwangsgebührenverwalter gerieren, dem am schonenden Umgang mit den Zwangsgeldern liegt und der sagt, so einen Flug auf Zwangsgebührenzahlerskosten zu buchen, wäre nicht zu rechtfertigen. Recht hat er, ein Anfang. Dass er sich mit seiner sicheren Masche ein schönes Altersreislein auf Zwangsgebührenzahlers Kosten leistet, verschweigt er, erwähnt nicht, dass eine unbekannte Anzahl einkommensschwacher Haushalte, die sich so eine Reise nie im Leben leisten können, von ihrem schmalen Budget das Geld dafür auch noch absparen müssen, wenn sie nicht schon in den Mühlen der Armutsverwaltung von HartzIV oder Grundsicherung gelandet sind. Ein Gernstl könnte es sich leisten, sich für eine faire Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dem er soviel zu verdanken hat, einzusetzen: dass diese Finanzierung endlich gerecht auf die verschieden starken Schultern verteilt wird und nicht länger einseitig zu Lasten einkommensschwacher Haushalte geht. Zu verlieren hat dabei ein Gernstl gar nichts. Und könnte sich für etwas mehr Gerechtigkeit im Lande einsetzen auf einem ihm wohlvertrauten Feld.

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