Tatort – Wunder gibt es immer wieder (ARD, Sonntag, 19. Dezember 2021, 20.15 Uhr)

Ein Tatort aus lauter überflüssigen Szenen

um die vier maximal löchrig erzählten Kardinalthemen „Überleben des Klosters bei Nonnenmangel“, „Herstellung und mörderische Verwendung von Schierlingsgetränken“, „Aufnahme lediger Frau mit Kind im Kloster“, „Aktienspekulation und Überschuldung des Klosters“.

Was der Plot sein soll, wird erst in der Aufklärungsszene am Schluss bekanntgegeben wie bei Agathe-Christie in Anwesenheit der Betroffenen von den beiden Kommissaren, die sich zu Privatdetektiven mit guten Beziehungen zur Polizei entwickeln; eine arg gewolltwirkende, weltfremde Fortschreibung des Tatort-Formates.

Zur hohen Unglaubwürdigkeit des Filmes von Maris Pfeiffer nach dem dünn-banalen Drehbuch von Alex Buresch und Matthias Pacht trägt die egoambitionierte Bildgestaltung bei, die sich einerseits für den romantischen Heimatfilm und andererseits für das Horrorgenre (die Alpträume des Kommissars) empfehlen will. Auch die Musik spielt ihren eigenen Schuh unabhängig vom Nichtgeschehen in den Szenen.

Mit dem Regienamen im Vorspann kippt die erste Figur tot um, ein Bahnreisender auf dem Weg ins wunderschöne Alpenvorland.

Der Gesang der Nonnen wäre deutlich verbesserungswürdig.

Es folgt der Blick von der artistisch bevölkerten Hackerbrücke in München in Richtung Paketposthallenareal, auf welchem das nächste Münchner Weltwunder von zwei berühmten Bastelarchitekten entstehen soll.

Dann unternimmt der Film den kracherten Versuch einer möglichst originellen Leichenautopsieszene. Klapprige Dialoge. Grundhaltung in diesem Tatort unter der Verantwortung des Zwangsgebührentreuhänders Cornelius Conrad: Man soll das alles nicht so ernst nehmen, auch die Schauspieler nicht.

Dann eine langweilige Landstraßenszene in einem gestressten BMW. Je erfundener desto lustiger – findet offenbar der BR.

Überflüssige Szenen, zB Ankunft im Kloster, die Handwerker, die Begegnung auf der Landstraße mit der wohlbeleibten Nonne zu Fuß, die Überholszene auf der Landstraße, die bauerntölpeltheaterhafte Begrüßung im Kloster (steif, künstlich, unnatürlich inszeniert; unglaubwürdig), depperte Dialoge zB über den Toten, was merkwüdig sei, da tun sich auch die beiden Doyens der deutschen Tatort-Kommissare schwer, überflüssige Netzsuche, soll lustig sein.
Zeitschinder-Dialog: Ach, fünf ist schon. Und wieder viel Stau … und miserabel inszeniert und gespielt..

„So, wo dürfen wir das abstellen“. „Ganz ausgezeichnetes Kompott“…
für solche nichtssagenden Sätze, die weder Figuren charakterisiseren noch Atmosphäre andeuten und die die Handlung nicht vorwärtsbringen, kassieren die Stars fette Gagen, die von den Zwangsgebührenzahlern aufgebracht werden müssen.

„Ja, natürlich, aber ich muss nur noch schnell die Etiketten da drüben in den Laden..“ überflüssiger Satz, auch vorher schon die Frage, wo die Buchhalterschwester sei.

Grad so ein fahrlässiger Tatort macht besonders deutlich, dass bei all diesen Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes im Grunde genommen das Gunstprinzip gilt; dass ein objektiver Wettbewerb um die besten Ideen und die besten Akteure in den verschiedensten Gewerken gar nicht vorgesehen ist. Dass Redakteure nach Gusto entscheiden.

Vielleicht sollten die beiden Kommissare erst mal ein Praktikum bei Amazon machen, bevor sie einer Nonne, helfen Pakete zu tragen – auch das ist miserabel inszeniert. Oder war das dämliche Kindertheater ein Angebot der Darsteller?

Dann gibt es eine ‚Bildgestaltung‘ – da wird was gestaltet? Der Wille zur Bildgestaltung scheint da, aber er weiß nicht viel mit dem dünn gewebten Drehbuch anzufangen. Diese Bildgestaltung macht alles künstlicher im Sinne des Plausibilitätsverlustes. Eine vom Zügel gelassene Bildgestaltung. Hat eine Ambition in Richtung romantisches Kino, hat aber leider mit dem Dünnplot dieses Tatortes so grad gar nichts zu tun. Missbraucht den Tatort, um sich für Horror- und Spukfilme zu empfehlen.

Drehbuch: bestenfalls ein unausgegorener Pennälerstreich.

Und wie im Bauerntheater, wenn sie nicht mehr weiter wissen, dann trinken sie einen Schnaps.

Man wundert sich, dass die Kommissare das schwache Drehbuch nicht zur Überarbeitung zurückgegeben haben, nach dreißig Jahren Dienst sollten sie unterscheiden können. Stattdessen erbrechen sie müde Kommentare.

Fazit, der Tatort ist so schwach und billig, dass einen die beiden Kommissare auf den Gedanken bringen, dass ihre Figuren endgültig auserzählt sind.

Immerhin erklären die beiden Kommissare bei der Auflösung des Falles, welchen Fall der Film hätte erzählen wollen; was die Plot-Idee gewesen wäre. Da wird alles, was der Film verpasst hat, spannend zu entwickeln, erklärt. Erklär-TV.

Wenn jemand sehen will, wie Kloster und das Kümmern um ledige Mütter eindrücklich filmisch transportierbar sind, dann beim großartigen chilenischen Film Maternal.

Die PR-Abteilung von BMW dagegen dürfte zufrieden sein mit dem gelungenen Bergpanorama-Auto-Product-Placement.

Schwachstrom-Tatort. Dürfte nicht passieren; werden die Leute doch ordentlich bezahlt. Also sollten sie ordentliche Ware liefern.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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