La Liste – Everything or Nothing

Rauf – runter – rauf -runter

Stundenlang mit schwerem Gepäck samt Skiern auf dem Rücken steile, verschneite Bergwände hockkraxeln, um dann in wenigen Minuten halsbrecherisch sensationelle Abfahrten hinzulegen.

Das ist das, was die Freeskier Jérémie Heitz und Sam Anthamatten tun. Vermutlich verdienen sie damit ihren Lebensunterhalt. Aber es ist ja auch mehr als nur dieses Rauf und Runter. Es braucht Vorbereitung. Insbesondere, als die beiden sich von den vielen anderen, die solches auch tun, abzuheben versuchen. Hatten sie sich für einen ersten Film 4000er Berge vorgenommen, müssen es jetzt für den zweiten 6000er sein.

Es gibt inzwischen ein eigenes Filmgenre, das sich Extremsportarten widmet. Typisch dafür sind Helden unserer Zeit, die Grenzen austesten, wobei es auch zum guten Ton gehört, vom kalkulierten Risiko zu sprechen. Andererseits muss ein Kitzel bleiben, muss eine Gefahr bleiben, ein Risiko. Dass dem so ist, zeigt ein Unfall bei der ersten Expedition für diesen Film, die in die peruanischen Anden führte. Da stürzt einer der Akteure und schlittert hunderte von Metern unkontrolliert den Abhang runter. Es folgt eine dramatische Rettungsaktion. In den Anden kann man nicht einfach so einen Heli bestellen.

Allerdings ist die Rettungsaktion im Film nicht drin, wie einer der beiden Protagonisten bei der deutschen Premiere im Sendlinger Tor Kino in München erzählte. Da sind alle Teammitglieder in einem Gewaltsmarsch an ihre Grenzen gegangen.

Expedition zwei und drei führte die beiden Protagonisten nach Pakistan zum Karakorum, immer noch die 6000er Grenze im Visier. Hier schleppt ein Heer von Sherpas jede Menge Ausrüstung bis zu den ersten Biwaks. Das Team arbeitet mit zwei Drohnen. Die Protagonisten selber haben oft eine GoPro dabei und filmen Aufstieg oder rasende Abfahrt, da kann einem mulmig werden, dies Abstürze, diese Steilheit.

Die Drohnenkameras wiederum, deren Technik immer großartiger perfektioniert wird, bieten atemberaubende Blick in wild verworfene Gebirgsgegenden. Die Skifahrer sind manchmal nur als kleine Punkte zu sehen, die teils mit über 100 Kilometern Geschwindigkeit noch nie befahrene Abhänge runterrasen. Dann wieder dieselbe Abfahrt nervenkitzelnd als POV.

Dieses Genre des Extremsportilmes lebt von seinen Sponsoren. So sind allüberall und immer wieder und überall bunte Werbepickerl zu sehen.

Das wiederum ist der schmale Grat, auf dem diese Filme sich bewegen, sie sollen von Herausforderungen und nie erlebten Abenteuern berichten, um den Brands der Sponsoren einen entsprechenden Touch zu verleihen, andererseits gehen sie dadurch das Risiko des Unbekannten ein. Wenn sie verantwortungslos handeln, dann schadet es ihren Werbepartnern, wenn sie zu risikolos vorgehen, dann verschwindet der Kitzel. Insofern gehört zu dieser Art von Filmen auch, dass über Verantwortung nachgedacht wird; und auch im Film gibt es Entscheidungen, die mit dem Verzicht auf aufregendes Footage verbunden sind, wenn eine Tour, eine Besteigung abgebrochen wird oder wenn wie in den Anden ein Unfall passiert.

Eine Qualität hier im Film von Eric Crosland ist, wie der eine Protagonist vor der Vorführung im Sendlinger Tor Kino sagt, der Film muss ‚raw‘ sein, wenn ich das richtig verstanden haben. Also keine getricksten Aufnahmen, alles ist original dokumentarisch.

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