Gunpowder Milkshake

Scharfe Literatur –
Ein Fest des Genres

Eine der großartig genreappetitlich ausgeleuchteten Hauptlocations in diesem Film von Navot Papushado, der mit Ehud Lavski auch das Drehbuch geschrieben hat, ist eine nach Kostbarkeit und Würde ausschauende öffentliche Bibliothek.

Selbstverständlich dürfte hier die gesamte Literatur das Kinematographische betreffend versammelt sein; aber nicht nur das: viele der kostbaren Einbände sind exzellent getarnte Verstecke für allerlei Feuerwaffen. Diese dürften den drei Hüterinnen der Bibliothek sowie den drei Protagonistinnen noch nützlich werden, wenn der Chef der ‚Firma‘ auf Abrechnung drängt.

Die Story in so einem Genre-Luststück ist nicht so wichtig. Hier geht es darum, dass bei einem Profikiller etwas schief läuft. Das lässt die Situationen eskalieren. Es gibt die ‚Firma‘, das ‚Board‘, das ist eine gemäldehafte Installation, die Figuren wirken reichlich versteinert.

An der Front kämpft Sam (Karen Gillan). Sie soll ein Geld wiederbeschaffen. Der Film stellt sie vorher als Kind vor in einer weiteren Hauptlocation, amerikanischer ausgeleuchtet geht nicht, einem ‚Dinner‘ oder Deli, das sind diese filmgeilen amerikanischen Imbisse, hier trifft sie sich normalerweise mit ihrer Mutter Scarlet (Lena Headey); sie trinken einen Shake mit zwei Trinkhalmen. Das ist 15 Jahre vor der Jetztzeit im Film.

Heute ist die Mutter verschwunden. Sam ist ebenfalls Profikillerin geworden. Sie gerät an ein dick gelocktes Mädchen, meist in gelber Daunenjacke (Chloe Coleman). Dieses wird sich schnell als gelehriger apprentice erweisen.

Eine Armlähmung von Sam bringt das Mädchen unverhofft ans Steuer eines Autos, das Verfolgungsfahrten ausführt. Die Frauen in dem Film sind nicht nur attraktiv, sie sind auch alle ungeschlagen im Umgang mit Waffen und führen die Herren der Schöpfung regelmäßig vor.

Eine weitere Hauptlocation ist eine herrlich sterile Klinik – hier wirken Blutspuren auf Möbeln oder an weißen Wänden malerisch wie abstrakte Kunst. Hier findet sich ein angeschossenes Schießkommando, das vermutlich Lachgas erwischt hat und alles nur saukomisch finden kann – filmwirksam. Und so werden auch die nächsten Kämpfe in der Klinik aussehen.

Eine weitere hochattraktive Location, die Kämpfe super aussehen lässt, ist das Gutterball Bowling. Das lassen Neoröhren in verschiedenen Farben und glatte Böden prima Stimmung erzeugen.

Navot Papushado richtet seinen Film an als ein Festmenü des Killergenres und traut seinen hervorragenden Frauen einiges zu, allemal eine Augenweide sind ihre Kämpfe, ihr Suspense auch.

Zwischendrin zitiert Papushado Mario Draghi als EZB-Chef zur Rettung des Euros, er lässt den Chef der Firma sagen: „Do whatever it takes“. Unter der Euro-Rettung geht in diesem Fun-Thriller gar nichts. So werden Kräfte abgecheckt, meint der Boss: I have an army, meinte Sam: ‚I have a Mom‘. Das sollte man besser nicht als Geschwätz oder Angeberei abtun.

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