Die Zähmung der Bäume

Wer ist Herr Iwanischwili?

Enthüllen wird seine Identität dieser Film Dokumentarfilm von Salomé Jashi nicht. Georg Soros dürfte es eher nicht sein. Aber einige Hinweise gibt es über diese Figur im Hintergrund. Er ist der Mann, der dafür verantwortlich ist, dass aus der anfänglich meditativen Bildbetrachtung von Gartenarbeiten bei gleichbleibender Ruhe der Kamera spektakuläre Bilder entstehen, die man unbedingt im Kino betrachten sollte.

Wer sich die Lust am Sicheinwickeln lassen durch scheinbar unscheinbare Beobachtungen nicht nehmen lassen will, der sollte gar nicht erst weiterlesen.

Dass es um Bäume in Georgien geht, das muss kein Geheimnis sein. Dass der Titel es bei Andeutungen belässt, zeigt auch die Variante „Zähmung des Gartens“ und so auch die englische Übersetzung.

Salome Jashi fängt ihren Film leicht irreführend an, dies überhaupt nicht negativ gemeint, symbolisch vielleicht, die Kamera steht, wie fast immer in anständiger Entfernung und hat vor sich zwei Fischer und ein Gewässer und überlässt den Zuschauer seinem Rätsel- oder Zuschauvermögen.

Es folgen, in immer gleich ruhigen, gleich distanzierten Einstellungen, Gärtner oder Waldarbeiter, die Grünzeug roden. Es gibt eine semidokumentarische Szene, solche wird es auch künftig geben, bei der die Arbeiter im Rund hocken und sich eine absurde Geschichte erzählen von einer Frau, die einen über 100-jährigen Baum aus ihrem Garten verkaufen sollte und die irre viel Geld dafür verlangt hat, was ihr auch zugesagt wurde.

Dieses Irre der Geschichte enthüllt der Film nach und nach als eine georgische Realität. Da taucht immer wieder der Name des Herrn Iwanischwili auf. Über ihn wird spekuliert, geschimpft, aber auch so geredet, wie man über jemanden redet, der viel Geld hat.

Die Vorgänge werden immer absurder. Denn es ist eine enorme logistische und garantiert auch finanzielle Leistung, einen tonnenschweren, weit über 100 Jahre alten Baum in seinem Wurzelreich einzupacken und auf Tiefladern über teils extra gebaute Straßen und später mit Schiffen an einen entfernten Ort zu verfrachten.

Hier gilt das Wort, dass man einen alten Baum nicht verpflanzen soll, nicht. Hier wird das Gegenteil praktiziert, hier leiden viele junge Bäume entlang der Transportroute darunter, die gestutzt oder gar gefällt werden müssen, weil sie im Wege sind. Klar wird auch: es handelt sich nicht um Einzelfälle. Nebenbei gibt es Einblicke in georgische Lebens-Verhältnisse, einfache Leute, die in großzügigen, fast leeren Räumen wohnen.

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