Das Ende des Schweigens

Mahnende Erinnerung

Dieser Film von van-Tien Hoang, der mit Holger Heckmann auch das Drehbuch geschrieben hat, ist ein cinéphil zubereitetes Kapitel aus der Schwulengeschichte.

Es geht um die die Frankfurter Prozesse in den frühen Fünfzigern wegen § 175 und 175a in der jungen Bundesrepublik. In Frankfurt hatte sich da gerade wieder eine Schwulenszene angefangen zu bilden. Aber die Justiz war noch die von vor dem Krieg oder wieder dieselbe. Ein Richter speziell hatte offenbar nach irgend einem uralten Gesetz die Prozesse an sich gezogen.

Es ist kein Ruhmesblatt für die Justizgeschichte der jungen Bundesrepublik. Erst 2017 hat das Bundeskabinett entschieden, alle damals wegen § 175 verurteilten Männer zu entschädigen.

Nach dem Krieg sahen viele junge Männer keine andere Chance, für den Lebensunterhalt zu sorgen, als mit Strichertum. Die Justiz setzte manche als Spitzel ein und machte mit Nachdruck Jagd auf Schwule oder vermeintlich Schwule. Wenn sie verurteilt wurden, kamen sie ins Gefängnis, waren vorbestraft, haben oft Job oder auch den Doktortitel verloren, Führerscheinerlaubnis dazu; hatten es extrem schwer, Arbeit und Wohnung zu finden, mussten mit Altersarmut rechnen.

Van-Tien Hoang schildert dieses für Deutschland beschämende Kapitel Justizgeschichte in einem dezenten Mix aus Statements von Fachleuten und Zeitzeugen und minimalistisch und eindringlich nachgestellten, modellhaften Spielszenen.

Es geht zentral um den Fall des Strichers und Spitzels Otto Blankenstein, der 1951 selbst verurteilt wurde; was gleichzeitig das Ende der Prozessserie bedeutete. Er selbst sei nach Verbüßung der Strafe unter neuer Identität aus dem Blickfeld verschwunden. Die Forscher wissen nichts über seinen Verbleib.

Es gibt im Film einen Hinweis auf die Zeitschrift „Der Kreis“. Darüber hat der Schweizer Stefan Haupt 2014 einen Film gedreht: Der Kreis.

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