Das Schwarze Quadrat

Das Abbeißen einer Brustwarze

ist in dieser Komödie von Peter Meister der Befreiungsschlag; ab hier traut sich der Film ganz seinen eigenen Trashmodus auszuleben, im Sinne, scheiß auf Komödienvorbilder wie Billy Wilder oder Oceans 8, 7 … mach das, was du schräg findest, verlustier dich mit den Möglichkeiten, die ein Zauberkasten, der normalerweise zum Zersägen einer Dame dient, hergibt, wenn eh schon alles drunter und drüber geht auf diesem Kreuzfahrtschiff, auf welchem verschiedene Gruppierungen hinter einem geklauten, millionenteuren Gemälde her sind, das, wie der Titel des Filmes verspricht, Das schwarze Quadrat heißt.

Dieser Kick zu sich selbst kommt vielleicht etwas spät im Film, aber oft ist der letzte Eindruck der prägende, umso besser, wenn das ein Gut-Laune-Eindruck wie nach einem bunten Vereinsabend ist.

Bis dahin allerdings schien es, als ob der Film schwankte zwischen dem eigenen Ich und den lastenden Vorbildern, die unter Komödie einen klaren Rahmen, klare Ziele, Rhythmus, Tempo, Witz verstehen und damit erfolgreich und haltbar sind. Da weiß man dann gleich, wer wieso ein Gemälde klaut und wie viel es wert ist. Solche Infos bleiben hier vorerst im Dunkeln.

Zwei Typen, Vincent (Bernhard Schütz) und Nils (Jacob Matschenz), über die man erst mal rein gar nichts erfährt, also von denen es der Film nicht für nötig hält, sie dem Zuschauer näher zu bringen und warum sie sich in einer, wie sich bald herausstellt, komplizierten Situation befinden, warten auf einen Dritten, von dem man noch weniger weiß.

Wissen tun wir, dass sie ein Schiff erreichen müssen, wobei auch hier erst offen bleibt ob Fähre oder Kreuzfahrtschiff. Um ein letzteres handelt es sich, aber auch das muss sich der Zuschauer selber die Info zusammenklamüsern. Zudem haben Nils und Vincent keine Tickets. Sie entpuppen sich, weil die Zeit drängt, als durchtriebene Diebe, sie entreißen zwei anderen wartenden Passagieren die Papiere, kommen damit ungeschoren durch die Kontrollen.

In ihrem Koffer haben sie das geklaute Bild dabei. Der Zoll lässt den Koffer öffnen. Die wissen aber noch nicht, dass es sich um ein gesuchtes, teures Bild handelt. Es kommt zu einem durchaus hübschen Dialog zwischen dem Zöllner und Vincent, dass sein Mädchen das gemalt habe und der Zöllner weiß, dass sein viel jüngeres Töchterchen ganz anders male.

Auch die nächste Eskalationsstufe muss der Zuschauer selber sich zusammenreimen – also der Film vergönnt dem Zuschauer nicht, dass er vorher mehr weiß und sich dann amüsiert, er ist genau so verdutzt dabei wie den beiden Protagonisten klar wird, dass sie als ein Entertainment-Duo eingecheckt haben, die als Elvis- und David-Bowie-Doubles Bordunterhaltung bieten.

Auch den Weg zu ihren Auftritten versucht der Film möglichst unkomödienhaft zu entwickeln in unregelmäßigen erzählerischen Sprüngen. Ebenso die Komplikationen mit den anderen Mitreisenden und dem Personal.

Leider hatte ich mir bis dahin die Erwartung großer Komödie noch nicht abgeschminkt, konnte mir aber klar machen, dass für eine solche die Macher wohl richtige Könner sein müssten oder sogar einen besonderen Leidensdruck haben, einen besonderen Erzähldruck haben müssten, von dem hier keine Spur zu sehen ist.

Vielmehr scheint es, der junge Filmemacher wollte eine Komödie machen, um eine Komädie zu machen, ohne sich im Klaren darüber zu sein, was das wirklich bedeutet. Am meisten erfüllt bis dahin Sandra Hüller als zwielichtige Passagierin Martha diese Komödienerwartung, da ist alles gesetzt, sie entwickelt die Souveränität der Unterordnung unter die Gesetze der Komödie, das nötige Tempo- und Rhythmusgefühl.

Der Autor flicht ein paar kunstkritische Bemerkungen ein; die bringen auch kein Tempo in die Chose, dürften aber Balsam in den Hirnen der fördernden Gremien gewesen sein; kunstveräppelnd, wie die beiden Entertainer nach dem Diebstahl des berühmten Gemäldes ganz simpel ein zweites Original anfertigen und dann auch noch ein drittes.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.